Lebenszeichen

Wir sind wieder hier, auf la Palma. Wir sind wieder da, wo es vor 8 Monaten aufgehört hat - unser Versuch etwas anders zu machen.

 

Als wir landen, haben wir gerade drei 360° Drehungen zwischen Palma, Gomera und Teneriffa gedreht und ich möchte nur noch raus und endlich auf die Insel.

Seit Monaten überleg ich schon, wie es wohl ist, wieder hier zu sein. Wahrscheinlich hatte ich über die letzten Wochen alles und jeden hier glorifiziert und mich völlig in die Idee verrannt, ich würde hier schlagartig froh sein – bis auf den Flug versteht sich. Dann trete ich auf die Landebahn, schmunzle noch einmal darüber nur OneWay gebucht zu haben und ... mich trifft etwas. Irgendetwas.

Kein Schlag, aber etwas in der Art.

 

Ich hab viel zu viele Klamotten an und dicke Strümpfe und einen Pulli und was weiß ich nicht noch alles, denke ich und merke, dass ich seit einiger Zeit vor der Maschine stehe und in tiefer Dankbarkeit zum Piloten aufschaue. Der hat sichtlich besseres zu tun und macht wahrscheinlich kurz Mittag, bevor es wieder zurück nach Deutschland geht. So ein zäher Hund, denk ich mir und drehe mich wohl endlich zur Ankunfthalle um, wo Sonja schon auf mich wartet.

Noch auf der Landebahn muss etwas mit mir passiert sein, denn sie schaut mich so an als wäre ich...gut gelaunt. 

 

Es ist warm, die Sonne scheint und der Passatwind bläst - der Grund für ungemütliche letzte Flugminuten und meinen zwischenzeitlichen Missmut,  aber davon weiß ich eigentlich schon nichts mehr denn jetzt kann ich das Meer sehen.

Ich kann das dunkelblaue, unruhige Meer sehen und den hellblauen Himmel, nur unterbrochen von vorbeirauschenden weißen Wolken. 

Für meine Sinne ist das nahe an der Überdosis. Wir hätten uns nach mehreren Wochen grau in grau völlig damit begnügt, endlich wieder die Sonne zu sehen…aber jetzt bekommen wir das ganze Programm.

Ich kann nicht anders als zu grinsen, ich hoffe ich grinse nicht die ganze Zeit, obwohl das gerade sehr wahrscheinlich ist. Wir verbringen fast vier Stunden mit Warten auf verschiedene Busse bis wir an die 35 Kilometer entfernte Westküste der Insel gelangen, am Feiertag läufts hier eben auch ruhiger. Noch ruhiger.

„No pasa nada“, das macht garnichts…vier Stunden mehr Frühling! Wer gerade aus dem fränkischen Winter kommt und nur feucht-nass-schmuddel oder zu-warm-für-die-Jahreszeit oder Niesel-Kält-die-zieht-einem-überall-nei kennt, der saugt das einfach alles auf.

Die Farben, die Geräusche und die Luft – ich saug das einfach auf bis ich platz, denk ich mir und merk wie Sonja mich anschaut, den Kopf etwas schräg hält und die Augen leicht schliesst, womöglich kann sie so besser fokussieren und erkennen ob ich jetzt final abdrehe.

 

Kurz bevor wir Pantera sehen, werden wir sichtlich nervöser und als wir sie auf dem Shipyard entdecken, hangeln wir uns auch gleich ohne Leiter hoch an Bord.

Auf Deck ist alles was zersetzbar war, zersetzt und in alle Winde verstreut. Außerdem hat sich eine gleichmäßige Sandpatina über den gesamten Rumpf gelegt und unser Boot in eine Art Kokon gepackt.

Unter Deck ist die Zeit stehen geblieben, nichts wurde in den letzten Monaten bewegt oder verändert und so fühlt es sich gleich so an als ob wir gerade eben erst das Schloss zum Niedergang zugeschlossen hätten. Nur einige Kleinigkeiten erinnern uns daran, wie hektisch die letzten Minuten unseres Aufbruchs waren, doch das wird sich jetzt erstmal nicht wiederholen, denn die nächsten zehn Tage verbringen wir nahezu wie im Winter in Eibelstadt, wir reinigen den Rumpf, schrubben Deck, entrosten, lackieren und bringen neues Antifouling auf, entgraten den Propeller und dichten die Stopfbuchse neu…alles beim Alten, nur diesmal im T-Shirt und “diesmal mit weniger Stress“ höre ich mich sagen und Sonja greift zu den gravierten Gläsern. the Blood, the Sweat, the Tears...the Love.

Wir sind wieder da.

 

 

 

 

p.s. der Tracker sollte auch wieder laufen, cheers

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Nur weng undicht

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long Way home

Jetzt sind es plötzlich vier Monate. Vier !

Monate in denen ich auch immer wieder mal dachte: ich will mal was schreiben, oder ich sollte mal was schreiben.

 

Aber ich habe es einfach nicht geschafft. Keine Muse, keine Lust, keine Zeit.

Keine Zeit, selbstverständlich hat man hier einfach nie mal eben Zeit. Zeit nimmt man sich, die hat man nicht.

Es fühlt sich an wie ein anhaltender Konflikt, wie ein Krieg ohne scharfe Waffen. Ein Krieg gegen Alles und Jeden, das einem Zeit streitig macht. Auch wenn nicht scharf geschossen wird, gibt es hier unschuldige Opfer...in unserem Fall : der Blog.

 

Wir sind wieder hier, in Deutschland.

Wir waren im Februar einige Wochen zu Besuch hier und auch wenn ich es erst nicht wahrhaben wollte, standen unangenehme Entscheidungen an. Genauer : Geld und Gesundheit oder Gesundheit und Geld - consumers choice.

Diese beiden Pfeiler meiner und unserer Reise standen bei mir plötzlich in Anführungsstrichen.

Manche Probleme, vor allem Unausweichliche, erfordern schnelle und schmerzhafte Entscheidungen. Also trafen wir diese, packten Möglichkeiten beim Schopf und seit Mitte April sind wir wieder hier...ohne Meer, Wind und Wellen. Dafür mit stabileren Pfeilern.

 

Zuvor hiess es aber noch einen Hafen für Pantera zu finden und noch eher hieß es erstmal eine gute Zeit mit unseren zunächst letzten Besuchern auf Teneriffa zu verbringen: unserer Familie !

Und sie brachten genau die Leichtigkeit mit, die wir brauchten um nicht an die nahe Zukunft zu denken. Las Galletas, ganz im Süden, kam uns da gerade Recht und wir waren froh über ein paar Tage ohne viel Stress und Ungewissheit aber dafür mit viel wertvoller Zeit und schönen Erinnerungen.

 

Nachdem klar war, dass wir Pantera für einige Monate alleine lassen müssen, ging die Suche nach einem passenden Hafen los und nach einigem hin und her war klar, wo es hingehen sollte : la Palma - la isla bonita.

Und ja, auch wenn Madonna den Song (unter den Bildern, empfiehlt sich als Untermalung zu ebendiesen) nicht für die nordwestlichste der Kanareninseln gesungen hat, so hat uns doch gerade dieser Song durch die letzte Nachtfahrt gebracht. Wir hatten unfassbares Glück, als das Zeitfenster für die Überfahrt schon ziemlich eng gesteckt war, dass genau 4 Tage vor unserem Flug, der Wind auf Südost gedreht hat. Denn gegenan segeln und das zwischen Teneriffa und la Gomera.

Nicht lustig. No es divertido !

 

Und so war es fast bizarr, wie perfekt die letzte Überfahrt bis zur Nacht hin wurde. Gleichmäßiger Wind, wenig Wellen und allerlei Pilotwale und Tümmler, die nicht gerade am Salz für unsere offenen Wunden sparen als sie uns verabschieden.

 

Puerto Tazacorte an der Westküste la Palmas empfängt uns mit freundlichsten Marineros, gleissendstem Wetter und grünstem Küstenpanorama, dass wir hier bislang erlebt haben. Und trotzdem fühlen wir uns wie verwundet, als hätte man uns angestochen und wir laufen einfach so aus. Die letzten Tage funktionieren wir, lassen Pantera an Land heben, versorgen versorgungswürdige Stellen am Rumpf, motten alles ein und verräumen ein Jahr unseres Lebens. 

Als wir wirklich von Bord gehen ist da nichts mehr, wir sind leergelaufen. Wehmut bleibt.

 

Die Heimreise wird ein Kraftakt: Bus, Laufen, Shuttlebus, Fähre, Shuttlebus, Laufen, Bus, Laufen, Warten, Bus, Warten, Flugzeug, Shuttlebus, Zug, Zug, Zug, Zug, Auto und wir sind wieder hier.

Ohne Meer, Wind und Wellen und ohne Pantera...aber dafür mit Familie, Freunden und Heimat.

Und das gibt uns Kraft, bis es wieder weitergeht.

Januar 2018.

 

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Ankern : kanarisch

Raus raus raus !

Endlich raus aus Las Palmas - großartig, nach zwei Monaten Stillstand.

Die Stadt erdrückt einen mit der Zeit, laut und großstädtisch ,zwar auch lebhaft und praktisch für vieles, eben aber nicht optimal um wieder richtig durchzuatmen...im wahrsten Sinne des Wortes.

Nach las Galletas auf Teneriffa solls gehen, diesmal um den Norden von Gran Canaria herum, insofern der Wind denn mitspielt. Anfangs fahren wir gegenan und mitten durch eine grässliche Kreuzsee bis wir an der Nordspitze der Insel ankommen und Segel setzen können.

Bei zahmen aber gleichmäßigem Wind schaukeln wir uns langsam den Tag über an die Westküste heran und beschliessen es heute dabei zu belassen und steuern Puerto de las Nieves bei Agaete an.

Wir können zwar weder über Telefon, noch über Funk irgendeinen Kontakt herstellen, entdecken aber kurz hinter der Einfahrt eine wunderbar geschützte Bucht - zumindest nach Norden hin und da der Wind die ganze nächste Zeit aus Nordosten kommen soll, wird hier jetzt geankert.

Schluss, Aus, Fertig.

Bei 5 bis 6 Meter tiefem Wasser und einem sandigen Boden mit vereinzelten Steinen, sollte das kein Problem sein...wir gehen sogar nochmal auf Nummer sicher und setzen den Anker, immer die Gute-Seemannschafts-Geißel im Genick, ein zweites Mal - dieses Mal streng nach Lehrbuch. Mit der Marille (unserem Beiboot) wird nochmal kurz durchs Hafenbecken gepaddelt, Fotos gemacht und nach etwaigen Gefahrenzonen geschaut. Nix.

Alles ruhig, Abendessen auf dem Vordeck und Sonnenuntergang inklusive.

 

Für die Nacht sind Windgeschwindigkeiten um die 10 Knoten vorhergesagt aber ich stelle trotzdem den Ankeralarm am GPS und mal zum testen auf dem Handy an, schadet ja auch nichts. Eine Stunde später bläst der Wind stabil bei 20 Knoten, die Ankeralarme an beiden Geräten habe ich schon mit größerer Toleranz versehen, da das ständige Warnsignal - weil wir eben nicht maximal wenig um den Anker herum zirkeln, nicht gerade zur Entspannung beiträgt.

 

Gerade als ich mich auch hinlegen will, fällt mir auf, dass ich jetzt schon eine ganze Zeit auf den Windmesser schaue und mich auch an die 30er Anzeige gewöhnt habe. Abwechselnd schaue ich auf die Anzeige, mein Handy und aus dem Cockpit mit einer Taschenlampe zu den nächsten Felsen...und als ich das letzte Luk zumache, sehe ich, wie unser Nachbar in seinem Katamaran genau das gleiche macht.

 

Wie dem auch sei, der Wind ächzt am Rigg rum aber der Anker gibt keinen Mucks von sich also leg ich mich hin. Jetzt.

Jeder kennt das , man hat irgendwann das letzte mal irgendwas nachgeschaut und irgendwann das letzte Mal zu sich selbst gesagt : das passt schon so ! Mehr kann ich jetzt eh nicht machen und ... ach, ich mach mich eh viel zu verrückt ...und und und...

Das Licht ist noch keine fünf Minuten aus, als mein Handy rebelliert. Zunächst glaube ich noch an einen falschen Alarm aber als die Bugkabine mit laut ruckendem Anker-schürft-über-den-Grund-Geräusch erfüllt wird, ist alles klar.

Wir hechten zurück an Deck und während ich den Motor starte, macht Sonja sich auf zum Ankerkasten. Der Wind hat nochmal deutlich zugelegt und pfeift wie verrückt durch die kleine Bucht, selbst für Gischtfahnen ist sich das zuvor wellenfreie Wasser nicht zu schade.

 

Obwohl wir beide schreien kommt wenig bei dem Anderen an - ich seh nur im Augenwinkel, dass der Nachbar schon auf dem Weg in den Fischerhafen ist und einen Anleger sucht. Bei solchem Wind und dementsprechend Zug am Anker können wir Ihn unmöglich bergen, zumal Sonja alleine vorne ist, während ich versuche den Kahn im Wind zu halten.

Irgendwann klappt das nicht mehr und wir werden gedreht, ab jetzt fahren wir volle Kraft rückwärts gegenan während Sonja die Ankerkette aufholt gegen Wind, Wellen und Pantera...eine viertel Stunde später etwa merke ich dass der Anker lose schwingt, genauso wie wir, denn wir machen einen ordentlichen Satz auf die Felsen zu.

Als Sonja wenig später ins Cockpit kommt, können wir endlich wieder kurz reden und ich sag noch so : " Boah was ist denn des jetzt ? Mir hatts grad ohne Witz sogar die Mütze vom Kopf gerissen...und ich mein, geht´ s Dir gut ? "

Sonja sagt nichts, sieht ziemlich geschafft aus von der üblen Ankeraufholaktion und schaut entgeistert über unser Heck - als ich ihrem Blick folge, sehe ich wie die Marille mit Rumpf nach oben hinter uns hergezogen wird. "Scheisse man, die war ja noch hintendran ! Egal , können wir jetzt eh nichts machen, sinken kann sie nicht " .

 

Den Plan zunächst rückwärts in den Fischerhafen zu fahren verwerfe ich und wir fahren eine der sportlichsten Motorwenden, die Pantera je vollführt hat. Dabei dreht sich Marille nochmals um die Längsachse und fährt wieder aufrecht , zwar mit ca. 300 Liter Wasser gefüllt aber aufrecht, hinter uns in den Hafen. Marille hat sich erfolgreich durchgekentert.

Der Katamaranskipper ruft uns im Vorbeifahren zu, dass es keine Moorings zum Festmachen gibt in dem Hafen und wir an Ihm anlegen sollen...und eine Wende später legen wir mit viel Geächze längsseits bei dem netten Spanier an. Es stellt sich heraus, dass er aus Alicante ist und glaubt unser Boot dort gesehen zu haben - der Name kam ihm so bekannt vor.

 

Später, als alles verräumt und die Marille über das Vordeck herausgewinscht war...und ich gerade die kleinen Schnapsgläser mit der Ankergravur und dem Panteraschriftzug aus dem Schapp hole, schaue ich nebenbei auf das Windlog und denke " joa stimmt, die Mütze hatts  mir tatsächlich noch nie vom Kopf gerissen ", denn da standen 42 Knoten auf der Anzeige.

 

 

 

 

 

 

*Aktuell 10. April 2017

Wir machen uns jetzt gerade auf den Weg nach Tazacorte auf la Palma um Pantera ins Dry Dock zu bringen, warum ,wieso und wie lange gibts im nächsten Eintrag

 

 

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la Gomera

Wer weniger Lust auf eine Seefahrtsanekdote aus aktueller Zeit hat klickt hier  :

 

Knapp drei Stunden sind wir jetzt unterwegs auf See und aus den vorhergesagten Windgeschwindigkeiten von um die 15 Knoten, sind mittlerweile durchgehend 25 geworden. Die Südspitze Teneriffas haben wir schon hinter uns gelassen und der achterliche Wind schiebt uns mit zackigen 7 Knoten auf la Gomera zu...zumindest laut Navi und Kompass, denn von der Insel selbst sieht man noch nichts und das obwohl wir nicht einmal mehr 15 Seemeilen entfernt sind.

Nichts zu machen.

Die Calima, ein starker Südostwind, bringt reichlich Sand aus der Sahara mit und reduziert die Sicht auf die Nachbarinseln drastisch und blickt man zum blau-braunen Himmel hoch, wirkt es als hätte man eine Sonnenfinsternisbrille auf. 

Eine Schicht aus Sand hat sich hoch über uns gelegt und gibt diesem Tag einen unwirklichen, dumpfen Rahmen.

Fast eine Woche hatten wir im Hafen von San Miguel ausgeharrt und gehofft, dass wir endlich los können aber Wind, Wellen und Sand haben uns bestmöglich an die Kette gelegt. Jetzt aber war unsere Zeit gekommen, ein ein- bis zweitägiges Fenster in denen es moderater zugehen sollte...aber Wettervorhersagen auf den Kanaren, naja das hatten wir schon.

Während der Wind sich jetzt langsam auf 30 Knoten einpendelt, lassen sich die Wellen auch nicht länger bitten und tanzen mit. Die ersten Schaumkronen haben wir schon vor einer Stunde beobachtet, mittlerweile bilden sie bei Böen kleine Gischtfahnen, die wie winzige Jetstreams dem Wind hinterher zischen.

Der Anblick fasziniert, denn er setzt sich bis zum heute sehr nahen Horizont fort und begeistert durch tausendfache Wiederholung. Lange lässt er sich jedoch nicht geniessen, zu sehr reissen die nahen, unmittelbaren Wellen die Aufmerksamkeit an sich. Pantera stampft die Berge und Täler rauf und runter und lässt sich nicht beirren, spülen uns die Wellen ja in die richtige Richtung und ihr Heck schafft zuverlässig jeden Anstieg. Ich frage mich wie hoch die Wellen mittlerweile sind, ich schätze zwischen 2 und 3 Metern...oder mehr oder weniger.

Aber wie soll das eigentlich gehen - wie soll man denn mittendrin auch nur annähernd eine vernünftige Schätzung machen während sich absolut alles um einen herum bewegt. Konnte ich noch nie verstehen, wenn andere Segler mir gegenüber felsenfest behaupteten sie hätten hier und da 6, 8 oder 10 Meter hohe Wellen gehabt. 

Eigentlich gibt es nur zwei Typen von Wellen, welche die noch gehen und welche die halt einfach nicht mehr gehen, ganz einfach eigentlich. Digital. 1 und 0. Herrlich, denke ich und drehe mich unvermittelt um.

Ich weiß nicht woran das genau liegt, aber man spürt wenn eine Welle plötzlich größer ist als die anderen oder es liegt daran dass sie sich am äussersten Blickfeldrand ankündigt und das Unterbewusstsein sofort den Kopf rumreissen lässt. Ich kannte das aus dem Golf von Lyon und jetzt passiert es wieder...ganz klar, da kommt ne 0 spür ich mich noch denken.

Sagen hör ich mich nur : " ok ...die packen wir nich mehr " .

Lars und ich ziehen die Köpfe ein aber das ist reine Kosmetik (zum Thema Bartkosmetik bitte hier entlang), die Welle trifft uns leicht seitlich am Heck und bricht auf Höhe der Reling und duscht uns einmal durch. Gut, dass ich meinem Gefühl folgend, natürliche Hafenklamotten trage und diese der Hochseedusche quasi null entgegenzusetzen haben. 0 . Digital !

Sonja war gerade unter Deck und ich gehe runter und will nachschauen ob alles in Ordnung ist und auch mal was seetaugliches anziehen. Unterbewusst geht mir ein Text durch den Kopf, der mir in solchen Momenten immer durch den Kopf geht :

Statistisch gesehen kummuliert angeblich jede 10. Welle und ist ein wenig höher als die anderen - genauso dann jede 100. und dann jede 1000. und so weiter und so weiter. Dazu muss natürlich der Wind eine gewisse Zeit lang aus der selben Richtung kommen und das ist ja auch nur statistisch ... und dann : BÄM !

Ich seh noch, wie unter Deck die Backbordseite in dunkelblau versinkt und dann knallts. Zuerst denke ich, wir müssen etwas gerammt haben so sehr wie das gewummert hat und der Vibration zur Folge, die da durchs Schiff ging. Aber als ich mich umdrehe und ins Cockpit schaue sehe ich nur wie Lars, zwar deutlich nasser als noch zuvor, angestrengt aber durchaus mit einer Art Grinsen im Gesicht das Ruder festhält.

Wir kommen darin überein, dass das wohl auch eine war "...die halt nimmer geht" und verbringen die restliche Zeit bis Gomera im Cockpit, von jetzt an voll hochseetauglich ausgerüstet.

 

Wir sind froh, als wir den ersten großen Wellenbrecher von San Sebastian passieren und zelebrieren unsere Ankunft sichtlich erleichtert und schildern uns gegenseitig wie jeder einzelne die Brecher erlebt hat.

 

Passiert ist weiter nichts, es blieb bei den zwei Brechern. Unter Deck war so ziemlich alles verwüstet aber das war nicht das erste Mal. Ähnlich große Wellen hatten wir im Golf von Lyon schon einmal, nur keine 100er oder 1000er. Der Wetterbericht auf den Kanaren war auch nicht das erste Mal zu wohlwollend mit dem Wind und wir waren auch nicht das erste Mal so froh im Hafen zu sein...aber es war das erste Mal dass die Wellen derart durchs Cockpit sind und definitiv das erste Mal das Gefühl einen Wal gerammt zu haben.

Aber, dass Pantera mehr abkann als wir, das war nicht das erste Mal.

 

 

La Gomera ist zunächst mal so ganz anders als es die großen Kanareninseln sind, die zweitkleinste Insel des Archipels ist ruhiger, grüner und steiler als alle bisherigen Inseln. Und unter ruhiger kann man auch verstehen, dass Deutsche eben nicht zu den redseligsten Völkern gehören.

Die Insel ist bei Wanderern (und das deutsche Volk, das wandert gern) unglaublich beliebt und das auch zu Recht, denn was uns kurz vor Silvester bei der Gipfelwanderung und dem Abstieg ins Valle Gran Rey tags darauf geboten wird, ist atemberaubend.

Die Natur steckt hier mittendrin in den Frühlingsvorbereitungen - was blühen kann, blüht und was grünen kann grünt, so dass es schwer fällt nicht den ganzen Marsch über ein Grinsen im Gesicht zu tragen. Da der Südwind weiter zunimmt beschert uns das dazu einen wolkenlosen Himmel über dem Lorbeerwald. Unwirklich.

 

Je näher wir dem Gipfel kommen, umso mehr Menschen begegnen uns und schnell gewöhnen wir uns daran, ausschliesslich in deutsch gegrüsst zu werden und so lässt auch das erste "Servus" nicht lange auf sich warten - unsererseits. Einzig die Markierung am Gipfel, lässt ihn uns als solchen erkennen - so wenig setzt er sich von den anderen Erhebungen ab, aber von hier sehen wir nun deutlich el Hierro und la Palma. Leider wird auch immer klarer, dass der Wetterbericht dieses Mal zutrifft und wir kurzfristig Hierro nicht erreichen werden, wir bewegen uns auf Windstärke 9 zu und keiner empfindet echten Antrieb raus auf See zu fahren.

 

Wir verbringen die Nacht in dem kleinen Örtchen las Hayas, geniessen kanarische Gastfreundschaft und mit Gomeron, den womöglich gruseligsten Schnaps, der je gebrannt wurde. Am nächsten morgen sind wir sichtlich erfreut und überzeugt von der kanarischen Hausbauweise. Der Wind hat weiter zugelegt und schon so den ein- oder anderen Zweifel genährt...ob das Gasthaus das wirklich aushäl...ach lassen wir das.

 

Strahlend blau auch heute und nach wenigen Abstiegsmetern sind wir im Windschatten. Jetzt kommen die Eindrücke von allen Seiten. Das grün hier leuchtet und wird nur abgelöst von anderen leuchtenden Farben. Rot , Orange, Lila oder alles gemischt - dazwischen Früchte, überall Früchte und kleine Felder mit Kartoffeln, Gurken, Erdbeeren...und was weiß der Herr noch alles. Es ist unglaublich, welch ein Potential hier aufgrund von Lage und Klima für die Natur oder für den Gärtner herrscht.

Es blüht und reift hier einfach das ganze Jahr lang alles, also wenn hier jemand Lust auf so nen bischen Garten hat, dann ... organisiert er sich mal lieber. Weil sonst : macht einen der eigene Garten hier fertig, aber halt so richtig!

Ohne Excel-Tabelle, to-Do-Kalender für jeden Tag und regelmäßigen Meetings zum Stand der Dinge, seh ich hier keine Chancen selbst ohne Sommer- oder Winterurlaub oder überhaupt auch nur einem Tag frei. Der Garten, auch wenn er nur 20 oder 30 Quadratmeter hat, ist wohl noch ganz zahm wenn man das erste Mal aussäht und alles vorbereitet und so weiter...und dann macht er einen fertig !

Kartoffeln müssen raus, Erdbeeren geerntet werden (täglich), die Passionsfrucht beschwert sich auch schon und dann ist ja auch noch dieser Kürbis, ogott dieser Kürbis - wohnt mittlerweile zur Untermiete beim Nachbarn, weils einfach nicht mehr anders geht und bald kann man den sowieso nicht mehr ernten, denn wenn das so weitergeht muss ich die Feuerwehr rufen sonst blockiert er die Straße auch noch und Ogotottogottogott !!!

 

Wahnsinn alles hier...Garten müsste man haben.

 

Auf den letzten Kilometern zum Strand, wandern wir durch einen kleinen Bambuswald und irgendwie schleicht sich Jimi Hendrix ins Unterbewusstsein - klar, das ist Klischee und eigentlich viel zu überladen aber es passt unglaublich gut. Dieser Ort bzw. dieses Tal war einst ein absoluter Geheimtipp der Hippiegeneration, wurde dann zum Hype und schliesslich vergessen. Die Zeiten und die Menschen hatten sich geändert, viele Ziele und Ideale gingen verloren und übrigblieb eine hübsche, wenn auch leere Hülle.

Gelegentlich sieht man sie noch, die Hippies - Originale von damals und Replikate von heute und auch die Ideale blitzen manches Mal durch, mit Malereien und Sprüchen an Häuserwänden oder in den kleinen Läden mit dem selbstgemachten Schmuck. Überbleibsel einer ganzen Generation, die alles ändern wollte ... und ja, vielleicht auch einiges geändert hat.

Die Revolution blieb zwar auch hier aus, denn jetzt bevölkern unzählige Touristen jeden Tag das Tal und die Strände, deutsches Hefeweissbier hat es auch in den Westen la Gomeras geschafft, genauso wie deutsche Aussiedler, die uns kernig und bestimmt darauf hinweisen im Bus bloß nichts zu essen , denn sonst würde uns der Busfahrer aus dem Bus werfen !!

Und dennoch : dieser Ort und dieses Tal versöhnt mit all dem Ballast, den der Mensch hierher mitgebracht hat und mitbringt...er hatte keine Revolution nötig um ein besserer Ort zu werden und ganz sicher hat er auch nicht meine Einschätzung nötig um ein bessere Ort zu sein, aber er stimmt uns friedlich denke ich mir, trinke einen Schluck vom Hefeweissbier und bilde mir ein ich hätte soeben ein schwimmendes Einhorn gesehen.

Wunderbar.

 

 

 

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Frohes Neues

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Feliz Navidad !

Gran Canaria und Teneriffa sind in weiten Teilen den Küstengebieten der Costa del Sol oder Costa Brava ähnlich. An manchen Orten dominieren die Hotelkomplexe und immer wieder stellt sich die Frage, wie es überhaupt möglich ist, solch umfassende Bauprojekte in den doch beschränkten Platz zu zwängen.

Ein inselgewordenes Benidorm.

 

Oftmals...aber zum Glück nicht überall! Es gibt Plätze, an denen kanarisches Lebensgefühl herausblitzt und es gibt Plätze, da gibt es auch gesunde Beziehungen zum Tourismus und als wir nach der Überfahrt von Fuerteventura in Las Palmas de Gran Canaria ankommen - fühlt es sich so an.

Las Palmas ist die größte Stadt der Kanaren und mit fast 400.000 Canarios auch eine amtliche Großstadt. Die Marina lässt sich nur mit Superlativen beschreiben: sie ist die größte, günstigste, lauteste, umständlichste und doch globalste, die wir bislang auf unserem Weg besucht haben und irgendwie können wir hier nicht anders als uns wohl zu fühlen.

Aufbruchstimmung überall, v.a. die Nachwirkungen der ARC (Atlantic Rally for Cruisers), die an unserem Ankunftstag und nahezu zeitgleich jedes Jahr von hier mit etwa 200 Segelyachten über den Atlantik loszieht, sieht man deutlich. Segler aus allen Nationen, Nachbarn aus der Türkei und Norwegen, gegenüber sind Segler aus Russland, Österreich und ein großer japanischer Highspeed-Katamaran liegt neben der Capitania. Alle erdenklichen Bootsausrüster sind vor Ort, ebenso wie alle Fachleute, die man auch nur ansatzweise zum Bootswesen zählen würde. Die Bars und Cafe´ s sind voll mit "Boat-People" und es geht eigentlich immer nur darum, wann und bei welchem Wetter jemand von hier in die Karibik losfahren will und ob man sich einen oder mehrere der zahllosen Bootstramper mitnehmen möchte - meist junge Studenten oder Abiturienten, die sich die Überfahrt mit Arbeit an Bord verdienen wollen. Mittlerweile sind es scheinbar soviele, dass ein regelrechter Wettbewerb ausgebrochen ist und man (auch wir) mehrmals täglich gefragt wird, ob wir nicht Hilfe an Bord bräuchten. Beim Warten auf frische Wäsche, kann man sich die Zeit sehr einfach damit vertreiben, die übervolle Pinnwand mit Bewerbungsunterlagen zu studieren - von den gelernten Bootsbauern, Elektrikern und sogar Masseuren ist da alles dabei.

 

Klar, es gibt Tourismus hier und ebenso im ganzen Norden Gran Canarias...aber herrlich unaufgeregt. In der Rumdestille von Arehucas und der einzigen Kaffeeplantage der EU bei Agaete werden wir herzlich empfangen und herum geführt, gerne dürfen wir alles probieren aber zum Kaufen gedrängt wird niemand - viel wichtiger ist den Menschen, dass wir eine gute Zeit haben und schöne Eindrücke mitnehmen.

 

Als wir wenige Tage später nach Teneriffa übersetzen, um Freunde und Familie dort zu treffen, sind wir noch beseelt von der ruhigen Überfahrt - kaum Schiffsverkehr, wenig Wellen und ein altbekannter fast-viertausender namens Teide, der uns zum Sonnenaufgang mit leuchtend rotem Gipfel begrüsst. Kurz vor unserem Ziel in San Miguel, sehen wir die 70er Jahre Bausünden und Massenwohnkomplexe von TenBel und als wir gerade nicken und seufzen wollen, taucht direkt vor uns ein ca. 8 Meter langer Grindwal auf und schaut uns an.

Gegensätze .

Diese Gegensätze sind überall.

 

Die Sonne scheint und über unseren Köpfen hängt winterlicher Weihnachtsschmuck bei 25 Grad als wir in el Medano an den Strand gehen. Während man im warmen Sand sitzt, einen Mojito schlürft und die Surfer beobachtet, kann man über die Schulter schauen und sieht den Teide - schneebedeckt. Geht man auf dem Rückweg in einen der Pubs in San Miguel und bestellt wie selbstverständlich auf spanisch, kanns sein dass die Bedienung kein Wort spanisch spricht und uns mit einem "hey Darlin´   you want a Pint or not ?" abfertigt, klar es eilt ja auch, denn britische Pubs schließen um 1 Uhr Nachts - just like everywhere in the UK.

 

 

Alles ist möglich hier , nur Vorweihnachtsstimmung nicht (zumindest für uns)...aber irgendwas ist ja immer.

 

Frohe Weihnachten an Alle und vielen Dank fürs Lesen,

Feliz Navidad a todos y muchas gracias por leer.

 

Eure Crew der Pantera

 

 

 

p.s. Für alle Interessierten - an Silvester gibt´ s noch ein kleines Special !

 

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Fuerteventura

Wir sind da, endlich !

Vor zwei Jahren waren wir noch mit Käpn Sauerborn in kanarischen Gewässern unterwegs und damals keimte das erste Mal die Idee, mit unserem Boot hier zu sein. Und jetzt liegt Pantera im Hafen von Gran Tarajal und wir können es noch nicht wirklich fassen.

 

Aber wir sind zum Glück nicht allein, sondern bekommen lang ersehnten Besuch von unserer Familie. Jetzt wird uns geholfen, ins Hier und Jetzt zu finden, mit langen Strandspaziergängen, Abenden voller Gelächter, Grillgut und einfach verdammt viel das Gefühl wieder daheim zu sein. Zwar daheim mitten auf dem Atlantik aber mit dem Herzen daheim bei den Menschen, die von Anfang an unsere Ideen und Träume geteilt haben und auch die ganze Zeit irgendwie mit an Bord waren.

 

Als älteste aller Kanareninseln (über 20 Mio Jahre) war Fuerteventura die längste Zeit der Erosion durch Wind und Wetter ausgesetzt. Betrachtet man die Landschaft von einem der bis zu 800m hohen Berge aus, wirkt alles um einen sanft und abgerundet - fast weich. Und das obwohl es sich, wie bei allen anderen Schwesterinseln, um rauhes und schroffes Vulkangestein handelt.

"Wie lange es wohl noch dauert, bis hier nur noch Meer ist" drängt sich mir auf, nimmt man die unwirtliche Westküste als Referenz, kann der Kampf der Elemente nicht mehr lange dauern. Steilküsten dominieren und jedes Jahr brechen Teile ein und der Atlantik erobert wieder ein Stück Land zurück. Grüne Gegenden sucht man dabei vergeblich, verschwindend gering ist die Fläche, in denen sich genug Wasser auf natürliche Weise ansammelt um ein bescheidenes Maß an Vegetation zuzulassen - ständig bedroht von Ziegen oder afikanischen Heuschrecken, die sich bei starkem Ostwind von der Sahara aus auf dem Weg hierher machen.

 

Wenn der Mensch eingreift, und im Zuge des Tourismus künstlich bewässert und in den Resorts Parks anlegt, dann explodiert das Pflanzenwachstum regelrecht - eine kleine Demonstration, zu was fruchtbarer Vulkanboden in der Lage ist.

Den Kampf gegen den Tourismus hat die Insel schon lange verloren,  das Klima und die langen Sandstrände, die längsten auf dem Archipel, ziehen Touristen magisch an, genauso wie die Wind- Kite- oder Wellensurfer, die hier beste Bedingungen haben und sich über die Düsenwirkung an den Küsten freuen. Man kann sich darin verlieren, den Hunderten von Surfern zuzusehen, wie sie die Böen jagen statt sie abzuwettern und mit teilweise 40 Knoten an uns vorbeizischen...während wir uns überlegen welches Reff wir da wohl einbinden würden. Beeindruckend.

Der Tourismus ist wie überall Fluch und Segen, so finanziert er doch einen Großteil des Inselhaushalts und sorgt für öffentliche Gelder zum Bau von Infrastruktur etc. , leider jedoch drückt er übergroß der Landschaft seinen Stempel auf und macht es mancherorts schwer, natürliche Eindrücke zu sammeln.

Am Ende der Tage wird es Fuerteventura egal sein, sie wurde als erstes aus dem Meer geboren und wird wahrscheinlich auch als erstes wieder im Meer versinken - daran wird auch der Tourismus nichts ändern

 

Fuerteventura ist karg, trocken und in manchen Gebieten einsam...aber das ist etwas, was viele Menschen hier so fasziniert und zurückkehren lässt. Die Elemente zu Erleben rau und ungeschönt, mancherorts das Gefühl einer Wüste mitten im Meer oder die eigene Bedeutungslosigkeit in der Erdgeschichte zu ahnen - all das kann man hier machen...oder man holt sich einfach das nächste deutsche Hefeweissbier am Buffet.

Aber wer will es einem verdenken, die Insel sicher nicht. 

 

 

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Der große Schlag

Von einem Schlag sprechen Segler, wenn sie eine gewisse Distanz, Route oder einen Törn meinen.

Für uns wird die Fahrt auf die Kanarischen Inseln die bislang längsten Etappen und die größte Überfahrt bereithalten.

 

Ich möchte an Sonjas Worte anknüpfen:

 

Marokko,

was hab ich mir Gedanken gemacht. Was hab ich Zeit vorher verbracht und im Internet gesucht nach passenden Häfen in Marokko, hab andere Skipper gefragt und mich im Hafen umgehört. Die meisten dachten nicht daran oder wollten ´keinen Landfall in Marokko machen, doch ich hatte jetzt mehrere Hinweise darauf, dass Rabat einen schönen neuen Hafen hat - also nichts wie hin !

Das sagte ich mir zwar, dennoch trieben mich Bedenken um.

Bedenken vor den Häfen, den Behörden, den vermeintlichen Restriktionen und vor den Menschen.

 

Ach was hab ich mir Gedanken gemacht, wie wir wohl auf die Menschen wirken würden, wenn wir mit einem Boot in ihrer Hauptstadt Halt machen, mit deutscher Flagge und allem drum und dran...und was hatte ich doch Zweifel, dass alles gut gehen würde und ob wir sicher sind und so weiter und so fort. Und das, obwohl wir 2009 ja schon einmal dort waren, in Marokko, in Rabat und im Atlasgebirge und wir ja wussten, was uns erwarten würde. Dass uns die Leute nichts Übles wollen, allerhöchstens vielleicht neugierig sind, oder interessiert an uns oder unserem Boot. Eben genauso wie bei uns.

Und was bleibt mir jetzt als mich über mich selbst zu wundern und zu ärgern...denn meine Bedenken sind auf das allerübelste enttäuscht worden.

 

Noch draussen auf See, als uns das Lotsenboot abholt, um uns unbeschadet durch die schwierige Hafeneinfahrt und die Untiefen des Bou-Regreg zu bringen, da rufen uns die Lotsen schon entgegen :

"Bonsoir Madames et Mesieurs, bienvenue à Maroc !!! Bienvenue à Marina Bou-Regreg !!!"

Ein unbeschreibliches Gefühl.

 

Unsere Navigationssoftware war vor einigen Minuten ausgefallen und wir lagen kurz nach Sonnenuntergang wenige Seemeilen vor Rabat und hatten ein Lichtermeer vor uns.  Der Seegang nahm langsam aber sicher zu, und wir wussten, dass die Ausläufer von Tief Elisabeth in der Nacht einfallen sollten. Und während ich versuchte unter Deck die Backup-Navigation zum Laufen zu bringen, höre ich wie Sonja aus dem Cockpit ruft : "da kommt was Schnelles auf uns zu, ich glaub das sind die Lotsen !"

 

Und von da an, waren wir mittendrin in der marokkanischen Gastfreundlichkeit.

Klar, gibt es auch hier Vorschriften und Gesetze bezüglich Schiffsreisender und bei uns daheim kommen nicht zwangsläufig drei Herren (Zoll, Polizei, Einwanderung) an Bord und kümmern sich um die Formalitäten, jedoch geschieht das absolut respektvoll und professionell. Wir werden nach Waffen, Drogen und Drohnen (!) gefragt und ein Drogensuchhund kommt an Bord, und wie Sonja schon geschrieben hat, ist der Arme tatsächlich durchs Bugfenster gefallen.

Während all der Einreiseformalitäten werden wir sehr respektvoll und anständig empfangen und in Rabat hat sich in den letzten Jahren einiges getan. Die Stadt ist noch europäischer als wir sie in Erinnerung hatten und klar, man sieht uns an, dass wir nicht von hier sind, aber die Menschen reagieren weder aufdringlich, noch herablassend oder gar unfreundlich. Interresiert, das sind sie.

Marokko ist immer noch stark geprägt von der Kolonialzeit Frankreichs (1912-1956) und viele sprechen noch immer französisch, zahllose Straßen und Cafes tragen noch immer französische Namen. Die Menschen hier scheinen froh darüber, die Möglichkeit einer zweiten Sprache und die Möglichkeit der Kommunikation mit uns (bzw. Sonja) zu haben und es gibt auch keine Schwierigkeiten, dass sie mit einer Frau reden. 

 

Mich erinnert Rabat sehr stark an Istanbul noch vor einigen Jahren, als man dort gespürt hat, dass keiner Lust auf radikale Denkweisen, Strukturen oder Gesetze hatte. Auch nicht wenn es um Religion geht, der Muezzin ruft zwar pflichtbewusst und regelmäßig zum Gebet, aber das blockiert nicht das öffentliche Leben und schränkt auch nicht unsere Freiheiten ein...vielmehr macht es das Leben in Rabat noch interessanter. Die vor wenigen Jahren in Betrieb genommene Straßenbahn und die moderne Marina veranschaulichen die Ambitionen einer Stadt im Wachstum und wir könnten hier noch einige Zeit verbringen, aber die Kanaren und unsere Familien erwarten uns.

 

Wir brechen einige Tage später beim nächsten günstigen Wetterfenster direkt nach Fuerteventura auf, kommen aber mangels Wind nicht schnell voran, und die 3-stündigen Wechsel am Steuer hinterlassen ihre Spuren, v.a. bei den Nachtschichten. Bislang hat die Pantera noch keine echte Selbststeuerung in Form von Windsteueranlage oder Autopilot - wir müssen also im Dauerschichtbetrieb ins Cockpit.

Zum Glück bekommen wir regen Besuch von Zugvögeln und Delfinen, die uns durchweg begutachten und bestaunen und auch mitten in der Nacht die Moral der Crew stärken.

Doch in der dritten Nacht schwinden die Kräfte zusehends und wir funktionieren nur noch...irgendwie. Die schwachen Winde zehren auch an unseren Dieselvorräten und in den Pausenzeiten werden vermehrt Berechnungen angestellt, statt zu ruhen. Zweifel kommen auf, ob der Vorrat an Treibstoff genügt um im Zweifel auch ohne Wind zu den Kanaren zu gelangen und wir hadern mit unserer Entscheidung.  Gut 40 Meilen vor der marokkanischen Küste auf Höhe von Safi erhalten wir dann unsere Antwort. Ein Securityboot kommt längsseits und bittet uns über Funk, den Kurs für 3 Stunden auf 170° zu ändern - aufgrund von Hochseearbeiten an einem Unterwasserkabel ist die See voraus unpassierbar für uns. Betrachten wir den neuen Kurs ist klar wo es hingeht : direkt nach Essaouira .

 

Rabat war schon eine positive Überraschung aber Essaouira war wie eine positive Überraschung in der 70er Jahre Version.

Sicher, wir waren völlig übermüdet und ausgelaugt, als wir in dem kleinen Fischerhafen ankamen, aber das erklärt sicher nicht das ständige Bedürfnis zu grinsen oder vor lauter Überforderung vor sich hinzustarren.

Fischgestank, Dieselgestank, Rauch überall...Lärm von Kuttern, Fischern, Hafenarbeitern und Offiziellen, die uns über die halbe Mole hinweg zuwinken und die völlig konstanierten Gesichter unsrer neuen Nachbarn aus Polen als wir längsseits und als vierte im Päckchen festmachen, das sind die ersten Eindrücke. Und sie sind die ersten Indizien für 24 Stunden wie im Rausch.

Als wir das erste Mal ins Hafenbüro gehen und mitten durch dieses Kaleidoskop der Eindrücke, bemerke ich, wie Sonja so langsam das Lächeln anfängt und genauso geht es mir. Wir steigen dauernd über Fische und Fischreste, Katzen und balgende Möwen und ich merke wie meine Sinne gerade dicht machen wollen aber dann sitzen wir im Einwanderungsbüro und Sonja unterhält sich mit dem Uniformierten über deutsche Zuchtrinder in Marokko. Es wird gescherzt und gelacht und immer wieder werde ich höflich aber bestimmt mit "Capitane, ici sil vous plait" zu einer weiteren Unterschrift aufgefordert.

Mir fallen die uralten Rechner mit den win95-Aufklebern auf und der vormalige König von Marokko blickt mich aus seinem Portrait oberhalb des Offiziellen an und scheint mit mir zu reden. "Capitane, ici sil vous plait" geht es weiter und mittlerweile erfragt der Uniformierte Frisurtipps für seine Frau bei Sonja und begeistert sich mir gegenüber für den FC Bayern ... ogott bin ich müd.

Aber ich fühle mich hier nicht unwohl, und dann werden wir mit dem Hinweis und maximaler Freundlichkeit entlassen, dass man hier auch ab und zu gern Wein trinkt, oder Whiskey wenn es sein müsse. Das Grinsen vermag ich jetzt garnicht mehr abzustellen, wir kommen hier wohl später nochmal vorbei.

Nach unserem ersten von drei Antrittsbesuchen, gehören wir irgendwie schon zum Inventar hier und innerhalb kürzester Zeit hab ich einen Termin um Diesel mit einem TukTuk einkaufen zu fahren. Immer öfter werde ich mit Capitaine angesprochen und die Haltung meiner Gegenüber vermittelt mir zusehends den Eindruck ein echtes Amt zu bekleiden.

Einen weiteren Amtsbesuch (die Polizei diesmal) mit diversen Höflichkeiten, Stempeln und Weingeständnissen später, rücke ich mir meine nicht vorhanden Uniform zurecht und nehme leicht erhöht und direkt unter dem Dach eingeklemmt neben meinem Fahrer Abduleiah auf einem Not- bzw. Schleudersitz Platz und wir rattern in Richtung der Tankstelle. Als in der zweiten Kurve das Backbordhinterrad abhebt kreische ich, glaube ich, als der deutsche TÜV-Beamte kurz durch meinen Geist rennt und hochrot mit den armen fuchtelt. Herrlich.

Bezahlt wird hier mit wenigen Dirrham und mit der ehrlichsten Währung der Welt, Bierdosen aus dem Panterabauch. Diese Währung macht die Menschen hier derart froh, dass man sich nur für sie mitfreuen kann und offensichtlich sieht ihr Gott das auch nicht so eng...schliesslich gehts hier um ein kleines Bier nach einem harten Tag Arbeit.

Die Menschen hier kennen keine Arbeitszeiten von 9-17 Uhr, sondern sie arbeiten eigentlich immer...die Fischer flicken Netze, verfrachten Fisch, basteln neue Köder und fahren als Erste wieder raus. Die Hafenarbeiter schweißen, hämmern und slippen Boote und die Offiziellen kümmern sich drum, dass hier keiner Unsinn macht - und es funktioniert. Es schaut für unser westliches Auge aus wie der zum Leben erwachte Wahnsinn, aber er funktioniert...und er lässt uns Grinsen.

Als erster am Pier, drei Boote weiter, liegt das Seerettungsschiff und dort wohnt Abduleiah (ja auch er hieß so) und klar kommen wir mit Ihm ins Gespräch. Als ich ihn frage ob er denn auf unser Boot achten könne und dass er sich nicht zu wundern braucht, falls er gleich eine Tüte hier ums Eck auf dem Kreuzer findet in der vielleicht naja "was zu trinken" drin ist, muss er schon so herzlich lachen, dass ich bald garnicht mehr kann.

Die Leute hier sind der Hammer, aufgeschlossen, freundlich und besitzen einen unfassbaren (auch religiösen) Humor, den ich nicht für möglich gehalten habe, dass er existiert. Nachdem wir noch einige Zeit durch die bunte und saubere Medina spaziert sind geht es in die Koje. Völlig fertig, aber freudig darüber, acht Stunden Schlaf am Stück genießen zu können, merke ich dass ich mich fast in keiner Marina sicherer gefühlt habe als hier. Kurz bevor wir uns schlafen legen, ruft uns Abduleiah und macht uns noch ein unglaubliches Geschenk, eine Seespinne - gerade von einem befreundeten Fischer aus dem Netz geholt.

Er überreicht uns das Geschenk und wünscht uns eine gute Zeit und eine sichere Fahrt auf die Kanaren.

Danke für diese 24 Stunden Essaouira, das werden wir wohl niemals vergessen.

 

Bei Sonnenaufgang verlassen wir die Hafenstadt, zum Frühstück gibt es Seespinne und während wir noch versuchen das Erlebte irgendwie einzuordnen, schauen wir uns an, schütteln den Kopf und lachen.

 

Der Wind lässt uns größtenteils im Stich aber dafür bleibt die See meist ruhig und nur wenige Frachter kreuzen unseren Weg. Es bleibt viel Zeit den unglaublichen Sternenhimmel zu betrachten, denn bei Neumond ist hier draußen alles so dunkel, dass die Grenzen zwischen Wasser und Himmel oft nur durch fluoreszierendes Plankton wahrnehmbar sind. Gerade wenn man verloren geht in dem Gedanken 3000 Meter Wasser unter sich zu haben und bis zum Horizont kein Land zu sehen...dann hört man vielleicht das charakteristische "Psccchhhhhhhffff"- Geräusch, wenn knapp neben dem Rumpf eine Delfinschule zu Besuch ist.

Es wäre nicht richtig zu sagen, das Gefühl in die Nacht hineinzufahren wäre das Beste, man gewöhnt sich zwar dran aber das Beste ist wohl aus der Nacht wieder hinauszufahren. Der neue Tag an Bord ist anders als der neue Tag an Land, er ist ein kleines bißchen wie "Land in Sicht" und strahlt eine ähnliche Hoffnung aus.

Man gewöhnt sich daran im Leesegel zu schlafen (siehe Bild) und man gewöhnt sich auch daran nur Wasser um sich zu haben oder an Deck zu duschen, doch an den 3 Stunden Rhythmus gewöhnen wir uns nicht wirklich.

Unfassbar schön und unfassbar anstrengend, angsteinflössend und ehrfurchtsgebietend, nervenaufreibend und ganz ruhig...das war der große Schlag.

 

Nach 50 Stunden sehen wir mit Lanzarote zum ersten Mal wieder Land.

Unsere Famile ist da und wir fallen Ihnen mit weichen Knien in die Arme, völlig übermüdet, ausgelaugt und ungläubig, dass wir es endlich wirklich geschafft haben. Vor fast genau 6 Monaten sind wir losgefahren und nach über 1500 Flusskilometern mit über 200 Schleusen und knapp 1800 Seemeilen...sind wir da.

 

Wir sind da...und wir sind froh.

 

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Klar sehen

 

Wie oft haben wir davon gesprochen in den letzten 2 Jahren..die Strasse von Gibraltar, raus auf den Atlantik... der Respekt vor diesem Wegstück war uns in den letzten Tagen auf dem europäischen Kontinent massiv anzumerken. Die To-Do Listen wurden mal wieder andauernd länger statt kürzer. Bernd musste die nächsten tausende Fragen beantworten zum Getriebe (geht immer noch nicht 100%) und zwecks Umstellung auf spanisches Gas (geht 1a). Unsere neu erworbene Rettungsinsel liess sich nur unter Einsatz massiv vieler Kabelbinder montieren, dafür war das Aufrüsten der Bordapotheke prächtig unkompliziert (in Spanien gibt es auch echt wilde Medikamente ohne Rezept…). Dann noch schnell in Gibraltar eine Menge Cheddar, Schnaps, Zigaretten und Diesel steuerfrei eingekauft und los ging die wilde Reise.

 

 

Wir halten uns an den Rat unseres „pilot book“ und fahren zwei Stunden nach Flut-Höchststand los. So sollten wir möglichst unbeschadet durch die mehrfach am Tag wechselnden Strömungen in der Straße von Gibraltar kommen. Tatsächlich funktioniert das Bestens nachdem sich der Morgennebel verzogen hat. Wir queren die Fahrrinne ohne Probleme und sausen dann mit mehr als 10Knoten im ausströmenden Mittelmeerwasser am nördlichen Rand von Marokko entlang. Grade bevor die Strömung sich umkehrt und der Atlantik wieder Wasser gegen uns schieben kann sind wir durch. Das Meer ist friedlich, die Sonne scheint und wir entscheiden Tanger nicht anzulaufen sondern gleich die 120Sm nach Rabat hinter uns zu bringen. Wir essen zu Abend, sehen die ersten marokkanischen Fischer in winzigen Booten und lassen die Sonne Richtung Amerika verschwinden.

 

 

Meine erste Nachtwache von 9-12 vergeht dank Hörbuch flott und ohne Probleme. Als ich aber nach 3 Stunden Schlaf wieder an Deck komme um Michel abzulösen fällt mir das Herz in die Hose. Wir fahren durch Nebel, dicht wie eine Wand! Das war nicht vorhergesagt… Wir haben kein Radar oder AIS auf dem wir Hindernisse oder andere Schiffe sehen könnten und fahren blind durch endloses Weiß!

 

Kurz versuchen wir Richtung Land zu kommen um zu ankern, verwerfen den Plan aber schnell wieder. Was wenn die elektronische Seekarte nicht stimmt und wir nicht rechtzeitig merken das „Land in Sicht“ gewesen wäre? Oder wenn wieder eine der Fischfarmen umgezogen ist und ihre gewaltigen Netze nicht mehr da sind wo wir sie auf der Karte sehen? Also zurück aufs Meer. Da ist die Gefahr schon kleiner auf feste Hindernisse zu stoßen und die Fähren und Containerschiffe sehen uns ja hoffentlich auf ihren Radarschirmen. Bleibt nur zu hoffen dass sie dann noch ausweichen können… Immer wieder rede ich mir ein, dass der Nebel bestimmt gar nicht soo dicht ist wie es aussieht. Ohne Anhaltspunkt täuscht man sich da bestimmt. Nach wenigen Minuten Fahrt krieg ich die Antwort: eine Boje, rot beleuchtet, saust keine 10m von mir entfernt am Schiff vorbei. Ich habe sie erst gesehen als sie schon fast auf Höhe vom Boot war. Als ich mich nach einer Schrecksekunde umdrehe ist sie auch schon wieder im Nebel verschwunden... bei dem Gedanken dass das auch ein anderes Boot hätte sein können wird mir einigermaßen schlecht. Genauso „sichtbar“ sind unsere Positionslichter für andere!

 

 

6 Stunden kämpfen wir uns durch diese Suppe ohne Oben und Unten, geben Funkwarnungen durch und schicken Stoßgebete zum Himmel.

 

 

Und dann kommt das Tageslicht zurück. Der Nebel löst sich auf, Meer und Himmel trennen sich wieder.

 

 

Der Anbruch eines neuen Tages auf See bringt mich immer wieder zum Nachdenken. Dass es jeden Tag wieder hell wird, daran habe ich daheim keinen Gedanken verschwendet. Wie so vieles andere war das einfach eine Selbstverständlichkeit, jetzt bin ich immer mal wieder so dermaßen dankbar dafür. Keine Angst, ich werde nicht zum Philosophen hier an Bord, aber die extreme Abhängigkeit von Strömung, Licht, Wellen und Wind rücken mir doch immer wieder die Sichtweise auf die Welt ein bißchen zurecht.

 

Nach Rabat sind wir dann übrigens am gleichen Abend noch gekommen und sehr herzlich aufgenommen worden. Aber die Geschichte vom Ausfall der Seekarte und dem Drogen Spürhund, der in unser Bug-Fenster fiel, überlasse ich wieder dem Kapitän.

 

Passt auf euch auf,

Sonja

 

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Gibraltar

Gibraltar...seit Anfang der Reise ein Fixstern für uns, und ein Ort, der hier für vieles steht:

Er steht für das Ende des Mittelmeers und den Anfang des Atlantiks, das Ende Europas und den Anfang Afrikas, das Ende von tidenfreiem Navigieren (ohne Ebbe und Flut) und der Anfang von echtem Gezeiteneinfluss, das Ende vom Spaß und der Anfang vom Ernst und so weiter...

Zunächst aber ist die Stadt ein seefahrtechnisches Zentrum und Ausgangspunkt für viele andere Segler seit vielen Jahren und Jahrhunderten und jetzt auch für uns.

Und was ist es wirklich :

Kurios !

 

Obwohl wir vor einigen Jahren schon einmal hier waren, hält sich der Eindruck der Kuriosität konstant, ganz egal, wohin man sieht.

Übertritt man die Grenze, sieht man rote Telefonhäuschen, rote Briefkästen, Polizisten mit typischem Bobbyhelm, Fish&Chips an jeder Ecke und die oftmals genauso spanischen aussehenden Menschen sprechen englisch und nicht nur das, sondern british english. Kurios.

Die Queen und die Royals sind überall und selbstverständlich gibt´ s im Pub nur noch Pints.

Um von unserem Liegeplatz in la Linea (Spanien) nach Gibraltar reinzukommen, überquert man erstmal die Landebahn des Flughafens, der auch in regelmäßigen Abständen das öffentliche Leben hier einfriert - wenn ein Flugzeug startet oder landet geht nichts raus oder rein aus Gibraltar (oder "Gib", wie es hier genannt wird). Kurios.

 

Der Gibraltar Rock wird nach wie vor von Affen bevölkert und wenn es nach den Engländern geht, wird das auch lange so bleiben:

"As long as the apes live on that rock, the british will rule over Gibraltar" ist eine gängige Weisheit hier.

Vom Rock aus, sieht man in gerade einmal 7 Seemeilen :  Afrika.

Unter uns, am südlichen Ende von Gibraltar befindet sich der Europa Point. Eine sehr markante Landzunge, an der sich zuweilen ungewöhnliche Strömungen, Wirbel und Wellen bilden.

Und blickt man hinter sich auf ebendiesem Rock, sieht man alte, aber teilweise noch funktionsfähige Geschütztürme (hier Batteries genannt),

und wenn´ s richtig gut läuft tummeln sich auch noch die Affen um die Geschütze. Kurios.

 

Und kaum gehen wir einfach mal "nur so" segeln , direkt vor der Hafeneinfahrt...sehen wir mehrere Delfinschulen (30-50 Tiere). Während auf  Hunderten von Seemeilen nichts von Ihnen zu sehen war, tauchen sie plötzlich gerade hier in dieser Bucht auf, wo etliche Superfrachter vor Anker liegen, Dutzende Fähren jeden Tag fahren und es alles andere als ruhig zugeht.

Es ist, wie soll es hier auch anders sein, kurios.

 

 

 

Die Straße von Gibraltar liegt jetzt vor uns, Flaschenhals für tausende Containerschiffe, Wale und Delfine, Ebbe und Flut...und wir bereiten uns vor, bald geht´  s los. Vamos vamos !

 

 

 

Kapitän und Crew danken vielmals Smut Simon für erstklassige Verpflegung, Schmettern zahlreicher Seemannslieder und bester Seemannschaft, auch wenn der Grog hier Frizzante heißt. Jederzeit gerne wieder !

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Andalusien

 

vor Kurzem habe ich von zwei benachbarten Seglern Folgendes erfahren, der eine sagte :

 

" ...ich bin nur beruhigt, wenn irgendetwas an dem Boot gerade nicht funktioniert" und darauf fügte der andere an :

 

" Wenn zwei Tage in Folge nichts war, wache ich am dritten Morgen schweißgebadet auf und frag mich was heute kommt "

 


Und so in der Art, war es dann auch, als wir in Almerimar ankamen und die Kupplung völlig den Dienst quittierte und der Gang einfach nicht mehr einrasten wollte. Mit ca. 0.1 Knoten Fahrt schafften wirs dann doch noch an unsren Anlegeplatz und die Fehlersuche ging mal wieder von vorne los. Nach vielen Beratungen mit Freunden daheim und der notwendigen Reparatur der Ölpumpe, scheint jetzt nach mehrmaligem Getriebeölwechsel wieder alles ziemlich rund zu laufen und die Gänge kuppeln wieder. Bis zum nächsten dritten Tag...

 

 

 In dem vor etwa 15 Jahren künstlich angelegten Städtchen Almerimar, wollten wir aber nicht wieder einen typischen Baustellenaufenthalt verbringen und fuhren spontan mit dem Leihwagen in die Berge, die Sierra Nevada.

 Die Alhambra in Granada stand schon länger ganz oben auf unserem Plan - jedoch einmal dort angekommen, mussten wir nach wiederholtem Nachfragen tatsächlich einsehen, dass die Tickets Wacken-ähnliche Beliebtheit geniessen und man sie online im Voraus kaufen muss. Oder aber, sich für das tägliche Restkontingent, wie viele Andere, schon um 5 Uhr früh anstellt. Um 5 Uhr früh !

 

Also dann lieber durch die äusseren Wehrmauern der Burg und wir überliessen es Granada selbst uns zu beeindrucken, und das schafft die Stadt mit ihren maurischen Einflüssen und dem andalusischen Charme spielerisch. Ganze Teile der Innenstadt bestehen nur aus weißen Häusern, wie wir sie aus den Medinas in Marokko kennen, dazu Straßenmusik und eine alte Tradition, zu jedem Bier Tapas zu servieren, geben einem garkeine andere Chance als diese Stadt zu mögen.

 

Klar ist, wir kommen zurück und dann haben wir Tickets !

 


Dann aber raus aus der Stadt und rein in die Sierra und wir hatten verdammt Glück , dass wir eine kleine Holzhütte in der Nähe eines winzigen Ortes Namens Guejar Sierra ergattern konnten - Mitten im Wanderparadies der Sierra Nevada.

Trocken und staubig, das ist man Spanien in vielen Teilen gewohnt aber hier fliessen kleine Flüsse und plötzlich steht man in einem Wald voller Kastanien, wo gerade noch lebensfeindliche Dürre herrschte. Die Unterschiede zwischen diesen Zonen sind so heftig und so klar abgegrenzt, dass wahrlich manchmal bizarre Bilder entstehen. Verlässt man das Tal und wandert weiter hinauf, wird schnell klar, warum nicht weit von hier Filme wie "the good, the bad and the ugly" (Zwei glorreiche Halunken) gedreht wurden.

 

Andalusien ist viel mehr als nur Costa del Sol, Costa tropical, oder auch Costa Banana und wie sie alle heißen...Andalusien ist auch nicht nur Massentourismus oder Tomatenplantagen bis an den Horizont. Andalusien ist vor allem auch authentisch und brutal natürlich, wenn man es lässt.

 

 

 

 

Vielen vielen Dank für die ständig möglichen Rückfragen bei Andi (Wild) und bei Bernd zwecks des Motors und dem Getriebe.

Ausserdem vielen Dank bei Thomas P. und Thomas S. aus der Werkstatt, ohne die ich sicherlich nicht einfach mal so hergegangen wäre und die Ölpumpe repariert hätte (Stichwort: Scheibenwischermotor).

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"5 Millionen Touristen"

"cinco millones turistas!"....genau das haben wir zu hören bekommen, auf Nachfrage ob es möglich wäre, Teil unseres Bugs dort schweißen zu lassen.

Ja, das war die Antwort des Offiziellen vom Fischereihafen in Villayojosa. Zum Teil auch verständlich, wenn man bedenkt, dass wir in direkter Nachbarschaft zu Benidorm sind und beim "Besetzen" des Fischereihafens dann endgültig Schluss mit Touristen ist.

Also gut, schwere Arbeiten am Boot weder im Club Nautico noch im  Fischereihafen erlaubt weil prohibido (=verboten), doch wir hatten unter der Ankerhalterung ein echtes Loch entdeckt, 5-Mark Stück groß und wachsend und das musste da wieder weg und zwar am besten sofort !

Also Millionen von Touristen hin oder her wir mussten schweißen lassen und zum Glück wussten wir, wen man fragen muss : Paco und Manolo , klar. (Paco hatte ich zuvor Pablo genannt, das bitte ich hiermit zu entschuldigen, lo siento Paco !) 

Die waren so nett und haben mit den Marineros  aus unserem Hafen einen Platz dafür organisiert, und zwar direkt in der Kranbox.

Jetzt brauchten wir nur noch einen laufenden Motor und dafür eine neue Seewasserpumpe,

und darum hatt sich Christoph von Drehpunkt24 gekümmert. Vielen Dank dafür, super Organisation und super Service !!!

Doch bis die Pumpe da war, eingebaut war und die etlichen Ölwechsel erledigt waren - ging richtig viel Zeit ins Land und wir wurden bei konstant über 30 Grad unsanft aber stetig gegart.

Als wir soweit waren, und Paco sich unserem Problem annahm, war es dann endgültig als hätte jemand den Grill angestellt - aber es hatt sich bezahlt gemacht. Das Rostloch ist weg, der neue Stahl transplantiert, die neue Pumpe läuft und wir sind wieder los.

Raus aus der Baustelle und ab nach Alicante !

 

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Cocktails auf dem Vordeck

Ganz einfach nur 2 Tage,

nur 2 von 120 - aber sehr charakteristische.

Es beginnt alles sehr ruhig und wir laufen pünktlich um 12 Uhr mittag aus der Marina de Denia aus als wir beschliessen doch noch zu tanken, wie schon hundert mal zuvor und eigentlich ein einfaches Manöver. Weit gefehlt !

Das Manöver kann auch unfahrbar sein, wenn der Marinero ohne Not beschliesst eine Zapfsäule an der man schon vorbeigefahren ist als Ziel zu definieren...und zwar in dem er einen Schritt entgegen der Fahrtrichtung macht und uns mittels doppeltem Auge auch noch FEST am Poller belegt. Pantera macht das Einzige, was in dem Moment möglich ist und fährt , weil auch für diese ungeplante Anlegeposition zu schnell, frontal in die Kaimauer. Volle Fahrt Rückwärts hatte da auch keine Auswirkung mehr. Und es knallt.

Der Anker bekommt die volle Wucht ab und verbiegt sich dabei um 45°, das Ankergeschirr nimmt den Rest der Energie auf und verbiegt sich ebenso. Sämtliche Versuche, den Marinero dafür verantwortlich zu machen, werden von allen Vorgesetzten und Hafenmeistern und Übersetzerinnen des Chefs zunichte gemacht und immer wieder darauf verwiesen, dass ich ja für alles verantwortlich bin, was bei uns an Bord passiert. Mein Standpunkt, dass ich so einen unnötigen Schwachsinn beim Anlegen noch NIE gesehen habe und ich noch nie einen Marinero/Helfer an Land gesehen habe, der uns im Vorbeifahren FESTmacht, werden durch die Wiederholungsgebetsmühle (s.o.) gedreht und wir verlassen nach endlos wirkenden Verhandlungen genervt und wütend den Hafen.

 

Aus dem Hafen raus steht uns strammer Wind mit bis zu 30 Kn Böen entgegen und wir segeln "nur" ma eben in 3 Stunden um das nächste Kap herum. Knackiges Segelwetter und eigentlich sehr schön aber die Gedanken hängen an Verständnislosigkeit, Kompromisslosigkeit, Einsichtslosigkeit und an der Wut gegenüber dem Marinero und seinem Boss.

Sei´ s drum, ab in den nächsten Hafen (grad mal 5 Meilen Luftlinie) und Schäden genauer begutachten. Aber nein, nix geht. Hafen voll wegen Regattawochenende. Das erste Mal seit der ganzen Tour, der ganze Hafen voll ! Nächsten Hafen angerufen - ebenso.

Erst der übernächste, 15 Meilen entfernte Hafen Puerte de Calpe hat noch Platz für uns. Also los geht´ s, Essen kochen , Segel wieder setzen und neuen Kurs, aber vor 22 Uhr werden wir das nicht schaffen...

 

Am nächsten Morgen werden wir mit Blick auf den Penon de Ifach belohnt, um den wir in der Nacht zuvor herumgekreuzt sind. Ein brachial markanter Felsen, der nicht umsonst dem Ort den Beinamen Mini-Gibraltar eingebracht hat. Es führen zahlreiche Kletterrouten an der senkrechten Südseite zum Gipfel aber auch ein Wanderweg von Nordwesten. Klar, dass wir da hoch wollen und wir nehmen uns die Zeit bevor wir den leider recht teuren Hafen wieder verlassen müssen.

Nach gut einer Stunde stehen wir auf dem Gipfel und er ist wirklich jeden Meter des Aufstiegs wert, denn dabei handelt es sich nicht nur um Pfade sondern auch um handfeste Klettersteigpassagen. Zum ersten Mal merke ich auch einen deutlichen Unterschied zur Luft, die ich sonst vom Bergsteigen her kenne. hier habe ich jetzt kaum Probleme sauerstofftechnisch, vielmehr machen meine Beine schlapp kurz vorm Gipfel aber das ist wohl eher mangelnde Ausdauer als der Chloridkanal.

 

Direkt nach dem Abstieg machen wir uns auf den Weg nach Villayojosa, bei wunderbarem achterlichen Wind und ordentlich Seegang gehts dabei an Benidorm vorbei...ein unwirklicher Anblick und kaum zu beschreiben. So , wie man sich Manhattan vorstellt, nur gedrängter und deplazierter. Laut Wikipedia, mit der höchsten relativen Hochhausdichte der Welt, schlägt Benidorm den Anblick von Lloret de Mar und Co. bei weitem !

 

Bei der Hafeneinfahrt im Puerto de Villayojosa passiert dann unerwartetes...der Motor qualmt weiß und geht aus, sprichwörtlich auf den letzten Umdrehungen können wir noch um die Mole rum und auch noch einmal aufstocken um nicht voll gegen den Steg zu knallen und dann ist er aus und heiß heiß heiß.

 

Die Fehlersuche hat ergeben: die Seewasserpumpe ist undicht, hat einen kleinen Riss und ist innen ordentlich korrodiert - also muss eine neue her und wir warten hier unfreiwillig auf das Ersatzteil.

Um die Achterbahn komplett zu machen, habe ich hier zwei unheimlich coole Mechaniker gefunden, die unseren Anker mittels Presse gleich mal wieder begradigt haben und sich weigerten Bezahlung anzunehmen, muchas gracias Pablo y Manolo !!!

 

Es passiert so einiges hier...aber wo bleiben diese "Cocktails auf dem Vordeck" ? 

 

 

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Hola Valencia, guapa ciudad !

Nach einem kurzen Heimaturlaub sind wir wieder unterwegs und laufen am zweiten wunderbaren Segeltag in Folge in Valencia ein.

Und was ist das für eine Stadt ?! Im Hinterkopf hatte ich lediglich Meinungen von Freunden und Bekannten, das Valencia eben eine sehr schöne Stadt sei...aber hey, das sprengt bei weitem das Maß dafür.

Eine weltoffene Stadt, direkt am Meer, mit langem Sandstrand, unfassbar gutem Essen und einer derart gepflegtem Altstadt ? Es hat uns so beeindruckt, dass wir am ersten Tag einfach nur durch die verwinkelten Häuserschluchten und bunten Parks gelaufen sind.

Ok, hier wird nun wieder Valencian gesprochen und wenn es die ortsansässigen drauf anlegen verstehen wir wieder kein Wort...aber hey die Leute sind derart freundlich, dass alles geht. Mit "Händ und Füß" sowieso und wenn man nicht aufpasst hat man gleich eine Paella und ein Glas "vino tinto frio" zum Mittagessen vor sich stehen.

Valencia, tu nos gustan mucho...und du hast uns beeindruckt.

Vielen Dank für die Gastfreundschaft und ich bin mir sicher Pantera wird nicht das letzte Mal hier angelandet haben !

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las Islas Columbretes

Der Wunsch dorthin zu reisen bestand schon seit dem Anfang unserer Reise, aber erst in der letzten Zeit hört man die Worte immer öfter : Columbretes.

Das sollte unser erstes großes Zwischenziel sein, die Islas Columbretes, ein winziges Archipel etwa 30 Seemeilen vor der spanischen Ostküste gelegen. Selbst ortsansässige Spanier wussten oftmals garnicht, wovon wir sprachen, als wir nach den Inseln fragten – ebenso wie wir noch vor ein paar Monaten.

Die Aufregung ist spürbar an Deck, als wir von les Cases d´´ Alcanar in Richtung der Inselgruppe aufbrechen und als wir bei Sonnenuntergang noch immer nichts am Horizont erkennen können war klar, dass es eine lange Nacht werden würde. Kurz Zeit später, ruft jemand „Leuchtturm in Sicht“ und von da an leitet er uns durch die Nacht.

Im Morgengrauen verschwindet auch der letzte leichte Gegenwind und eine Flaute macht sich breit, aber die Crew beisst sich durch und wir laufen bei Sonnenaufgang in die Kraterbucht der Illa Grossa ein.

 

Unwirtlich und doch so belebt. Dieser Widerspruch verwundert nicht, wenn man die Geschichte betrachtet, geprägt von Brandrodung, Bombardements und übergroßen Wellen von bis zu 15 Metern. Wir lernen so einiges über die Vergangenheit hier und die Bedeutung des Leuchtturms für die Schiffahrt und auch über die Bemühungen der spanischen Regierung, viele Fehler der Vergangenheit, wieder gut zu machen.

Und es zeigt bereits Wirkung, nach mehr als 20 Jahren strikten Naturschutzes, zeigen sich zweimal im Jahr Massen an Zugvögeln auf den Inseln, und die Unterwasserwelt ist Ziel von Delfinen, Langusten und Meeresschildkröten geworden.

Eine unwirklich schöne, faszinierende aber auch melancholische Stimmung umgibt das Archipel und irgendwie wirkt es wirklich ein wenig so, dass „ dieses Paradies für den Menschen verloren ist...“ (Artikel dazu), denn ein wenig spürt man es.

 

Sanft achterlicher Wind, trägt uns wieder Richtung Festland und wir verabschieden uns langsam von diesem Abenteuer. Die Gedanken daran, machen mich froh und ich bin sehr dankbar dabei gewesen zu sein.

Mein Dank gilt außerdem Pantera, die uns stoisch und ruhig ans Ziel gebracht hat, Vincente, der uns die Inseln und deren Geschichte näher gebracht hat und der Crew, ohne die es keine ruhige Minute gegeben hätte.

 

 

 

Muchas gracias Columbretes...hasta luego !?

 

 

 

 

 

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Costa Brava

Die Costa Brava ist für ihre zerklüfteten Steilküsten bekannt und beliebt, ausserdem ist hier das Meer noch angenehm frisch (im Vergleich zu südlicheren Gebieten) und die Urlauber zieht es in Scharen mit oder ohne Charterboot in diese Region. Und es ist wirklich sehr sehr schön hier, das Wasser ist glasklar und wir sehen unseren Anker auch noch fast 10 Meter unter dem Boot, das ist auch gut so, weil wir uns gleich mal festgeankert hatten. Drei Stunden lang sollte die Bergung bei steigender Hitze dauern und es erbrachte  ein für uns noch neues Ankerbergemanöver, auf das wir im Nachhinein durchaus stolz sind. (mit dabei : Winschen, Falle, unzählige Tauchversuche und eine Art Ankerkettentanz)

Schlussendlich war der Anker wieder aufgeholt und wir völlig fertig. Das Ankergeschirr hatte dabei sehr gelitten, wurde verbeult und verbogen und war in diesem Zustand nicht weiter einsatzfähig. Aber alles besser als den Anker zurückzulassen !

Ausserdem bekamen wir das erste Mal Besuch auf See in Form von Nathalia und Roman, wir hatten die erste Kollision auf See (Relingstütze verbogen) und den ersten Delfinbesuch, welcher leider zu kurz war, weil sie von Motoryachtrowdies vertrieben wurden aber ...immerhin ;).

Es bleibt , dass der August wohl der denkbar schlechteste Zeitpunkt ist, hier vorbeizufahren, da Massentourismus a la Lloret del Mar und übertriebene Hafenpreise das Bild prägen...und dennoch gibt es so schöne Ecken hier, dass wir vielleicht mal zurückkommen - wer weiß . Auf jeden Fall einen abermaligen Besuch war Barcelona wert, es war wieder August und es war wieder viel zu heiß aber es bleibt eine unfassbar schöne Stadt und irgendwie weiß ich, dass das nicht der letzte Besuch war.

 

 

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der Löwengolf

Von jetzt an geht es erstmal westwärts, mitten durch den Golf du Lion (Löwengolf). Das Gebiet ist Mistralland und fest in dessen Hand. In der Hochsaison im Frühjahr und Herbst ist hier alle 2-3 Tage Mistral angesagt, wir haben insofern Glück und es ist nur alle 4-6 Tage stürmisch. Und trotzdem packt er uns noch einmal und zwingt uns zu einer Pause in Cap d´ Agde.

Der Golf ist eines der ungemütlichsten Segelreviere der Welt und gleichzeitig die kühlste Region des Mittelmeers, was ihn aber nicht daran hindert unglaublich beliebt bei Touristen und Charteren zu sein, hält er schliesslich Schätze wie die Camargue und kilometerlange Sandstrände bereit.

Für uns ists erstmal genug mit Mistralland und wir freuen uns auf Spanien, weshalb wir auch eine auslaufende Starkwindphase für uns nutzen und die letzten 60 Seemeilen an einem Stück segeln.

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Made of Steel

8 Wochen, 1550 Flusskilometer, fast 200 Schleusen, 200 Motorstunden und sehr viel Frust über Dauerregen und Hochwasser oder sture Frachter und unwillige Schleuser.

Aber auch Euphorie über hilfsbereite Frachterkapitäne oder hochengagierte Schleuser, Hitzewellen und traumhafte Häfen. Und allen voran unfassbar viele, nette Menschen, die uns geholfen haben, mit Rat und Tat zu Seite standen oder einfach nur zur richtigen Zeit ebenso Lust auf kaltes Bier hatten.

Diese Reise bis ans Mittelmeer war mit Eindrücken angefüllt wie ein ganzes Jahr, und fühlt sich an Entbehrung an wie ein Jahrzehnt. Vielleicht sind wir auch  nur noch nichts gewöhnt aber ... es war krass und irgendwie auch krass gut.

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SY = Segelyacht

Denn eigentlich ist sie garkein Motorboot ;) .

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Panteras Landgang am Mittelmeer

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die Rhone

Noch in Lyon trifft die Saone auf die Rhone und von da an heißt es dann mit maximaler Strömung den Fluß runter bis zum Mittelmeer. Die Rhone hat in vielen Teilen Ausmaße wie der Rhein, nur dass deutlich weniger Schiffsverkehr herrscht und noch 12 Schleusen zu bewältigen sind, bevor Pantera von Salzwasser umströmt wird.

112 Kilometer an einem Tag sind nicht ungewöhnlich bei so einer Talfahrt und Geschwindigkeiten bis zu 12 Kn, weshalb wir auch nach 10 Stunden Valence erreichten.

Der Aufenthalt war planmäßig, ausserplanmäßig war das Hochwasser und die einhergehende Schleusensperrung für die nächsten 5 Tage. Na denn wurden eben Ölwechsel an Motor und Getriebe und andere Wartungsarbeiten durchgeführt bevor es auf die letzte Etappe ging.

Die gut 200 km von Valence bis Port St. Louis am Mittelmeer waren erfüllt von Treibgut und hohen Schleusen (22 m in der Schleuse Bollene), ausserdem mit zunehmend südlichen Landschaften, Weltkulturerben (Brücke von Saint Benezet in Avignon) und noch mehr Treibgut.

Bevor wir wirklich nach Port St. Louis durften, mussten wir noch eine Nacht und einen Tag denkbar unangenehm direkt an der Rhone liegen was uns neben Hunderten von Stechmücken auch noch eine vermackte Klampe und eine wunderbaren braun-grünlichen Zierstreifen beschert hat.

Sei´ s drum, jetzt steht Pantera an Land und wir können uns hier sehr gut um all die Macken kümmern in den nächsten Tagen.

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die Saone bis Lyon

Wenn man den Canal des Vosges verlässt, befährt man unmittelbar die Saone (genauer die petit Saone). Und die wird gerade die ersten Flusskilometer ihrem Ruf gerecht und ist wirklich klein, oftmals nur so breit wie die Kanäle und gefühlt so breit wie die Kürnach (für die Locals). Nachdem wir schon zwei Tage in Corre, dem ersten Ort an der Saone, wegen Hochwassers warten mussten, waren es 40 Kilometer weiter, gleich mal vier Tage. So kam es, dass wir in Port sur Saone am Stadtanleger ausharren mussten.

Glück im Unglück hatten wir dabei mit unseren lieben Nachbarn, Christiane und Gerd von der SY Sail Away. Es sollte sich so ergeben, dass wir von da an bis Lyon im Verband fuhren und nicht nur Anlegebier bzw. Ouzo miteinander teilten, sondern auch unangenehmere Dinge, wie zu niedriges Wasser, zu starke Strömung an der Schleuseneinfahrt und Gewitter mit Starkregen.

Am Ende der Etappe, fuhren wir mitten durchs Herz von Lyon und nach all den Tagen ohne größere Orte, war es ein unerwartet schönes Gefühl wieder mitten in einer Stadt zu liegen, direkt neben Frappuccino und Fanmeile. Ganz anders plötzlich, aber Lyon ist wirklich eine Reise wert und hat definitiv bleibenden Eindruck hinterlassen.

Aufregend war es auf der Saone, vor allem die petit Saone mit ihrer wunderschönen Landschaft und das herzlich bunte Lyon werden uns in Erinnerung bleiben...genauso wie die überaus freundlichen Mitarbeiter des VNF, die immer um unsere Sicherheit bemüht waren und sich auch nicht zu schade waren uns mit dem Auto bis zur nächsten Schleuse zu begleiten und für uns persönlich Schleusen offen zu halten. Wahnsinn !

Merci beaucoup a tous !

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Canal des Vosges - na, wer mag noch ne Schleuse ?

Der Canal des Vosges (Kanal dö Vohsch gesprochen) liegt wohl wirklich am Scheitelpunkt zwischen Genie und Wahnsinn. Mittels dieses Kanals schleust man zunächst, wenn man die Mosel verlässt, 47 mal zu Berg...dann fährt man ein kleines Stück auf dem Scheitelpunkt und schleust wieder 46 mal zu Tal in Richtung Saone. Das macht dann 93 Schleusen auf 121 km.

Eigentlich wollte ich jetzt 93 Ausrufezeichen machen oder noch mehrmals auf die Zahl 93 eingehen bzw. erläutern dass so eine Schleuse im besten Fall 10 Minuten dauert und das allein 930 Minuten Netto-Schleusenzeit dabei ins Land geht oder oder oder.

Es ist aber einfach schwer zu erklären was einem bei dem immer und immer wiederkehrenden Geschleuse durch den Kopf geht, denn es stellt sich irgendwann nach der 20. Schleuse eine gewisse Resignation ein und man macht einfach. Und das ist wirklich schade, weil der Kanal durch eine wunderschöne Gegend führt und einen mitten durch Wälder und per Brücken über kleine Täler leitet.

Genial ist, dass wir mit Pantera quasi bergsteigen waren...wahnsinnig ist, dass so etwas tatsächlich gebaut wurde und schade ist, dass man bei der unfasbar schönen Natur nicht aus dem Kopf bekommt " ach das ist so schön hier...aber kann ich noch bitte 30 Sekunden lang keine Schleuse sehen ? Bitte bitte ! Ohman , klar machen zum schleusen...!"

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die Mosel

Nach den Aufregungen auf dem Rhein, kam die Mosel gerade Recht.

Kaum Schifffahrt unterwegs, lockere Schleuserei und immer gegen moderate Moselströmung an, gabs einiges zu sehen :

Schier unendlich lange Weinbergshänge und deren unüberschaubare Zahl an verschiedenen Weinen begleiten uns durch Täler und kleine Schluchten, die mit ihren Windungen durchaus mit der Mainschleife mithalten können.

Vorbei an Orten wie Edinger-Eller (!) und Bernkastell-Kues (!!) und über Trier und Schengen bis hin ins wunderbare Metz, was uns mit all seinem Charme dazu gebracht hat einen Tag länger zu bleiben. In Metz war es auch, als da wir den bisher entspanntesten Hafenmeister (Monsieur le Capitan) und die beste rundum-Versorgung bekommen haben.

Die Mosel wird uns in guter Erinnerung bleiben, nicht wild und jähzornig sondern eher lieblich und mit sanftem Nachgang...wohl ganz so wie der Wein.

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der Rhein und die Loreley...

Drei weitere Schleusen nach Frankfurt erreichten wir wieder den Rhein, diesmal allerdings auf Talfahrt und das katapultierte unsere dicke Pantera teilweise auf absurde 11 Knoten Fahrt. Was anfangs noch recht freundlich begann sollte sich zur bislang turbulentesten Strecke entwickeln.

Wiesbaden empfing uns freundlich und sehr modern im WYC Schierstein, von wo aus wir frisch getankt und gutgelaunt an Rüdesheim und Bingen vorbeipflügten ... bis ... ja bis zum Rhein-km 545,3.

Und dann kam besagter Kilometer...

Sehr enge Fahrrinne, das Wetter schlägt um und von allen Seiten Frachter aller Größen.

Während ich Fahrt rausnehme (zwischen 7 und 8 Knoten), weil ein Frachter vor uns immer langsamer wird in der kurvigen Strecke, bemerke ich wie hinter uns ein voller Tanker immer mehr Fahrt aufnimmt und uns offensichtlich bei Kaub überholen will. Dem von hinten immer näher kommenden Frachter versuche ich soviel Platz wie möglich zu geben, auf die andere Rheinseite kann ich nicht, da kommt gerade ein Bergfahrer hoch...und plötzlich knallts - und zwar so richtig.

Panteras Bug senkt sich und das Heck geht erst kurz hoch und wird dann mit der 6 Knoten schnellen Strömung quer gedrückt.

Wir liegen bei 545,3 quer zum Rhein und krängen bis zu 30°. Alle Versuche von selbst da wieder rauszukommen scheitern und uns wird langsam bewusst es ist ernst - wir brauchen Hilfe und müssen einen Notfall rausfunken.

Wenige Minuten später ist die Wasserschutzpolizei da - kommt aber nicht nahe genug an uns ran und verständigt die Feuerwehr. Die Freiwillige Feuerwehr St. Goar kommt direkt von Kaub mit schnellem und leichtem Boot mit wenig Tiefgang an uns ran.

Kurze Zeit später beschliessen uns die Eisatzkräfte von Bord zu holen, da für die Bergung unseres Schiffes Spezialisten benötigt werden. Schweren Herzens verlassen wir Pantera und verbringen die nächsten Stunden im Einsatzschiff der WSP - stets bei besagtem Kilometer. um der Berufsschiffahrt geringere Geschwindigkeit zu verdeutlichen, da bei jeder Welle das ohnehin krängende Boot noch mehr Schräglage bekommt.

 

Ein Blogeintrag gibt nicht all das her, was uns in dieser Zeit durch den Kopf gegangen ist und ich habe nur wenige Bilder gemacht, weil in der Situation niemand (außer vorbeifahrende Kreuzertouristen) auf die Idee kommt Bilder zu machen.

Es war das Schlimmste, was wir bislang erlebt haben und wir beide sind unendlich froh über so viele nette Helfer.

Allerdings nehmen wir auch einiges an Erfahrung daraus mit, wie man bzw. wie wir in solchen Situationen reagieren und wir nehmen daraus mit was alles passieren kann und dass es eine gute Entscheidung war auf Stahl zu bestehen.

Wir waren übrigens auf eine sogenannte Krippe aufgefahren, das sind Steinwände, die quer zum Flußverlauf in den Rhein hineinragen. Das enge Fahrwasser, die starke Strömung und die große Zahl an Berufsschiffen geben Sportbooten wie uns kaum Platz, vor allem nicht für Versatz durch Sog und Schwell.

Der Rhein ist ein Biest und man sollte ihn respektieren - das wussten wir schon.

Was der Rhein jetzt weiß : Pantera ist ein Biest und man sollte Sie respektieren, denn 6 Stunden quer in der vollen Strömung liegend, haben nicht ausgereicht sie zu versenken.

 

Ums kürzer zu machen :

Wir danken den gemeinsamen Anstrengungen der WSP Bingen und St. Goar, der Freiwilligen Feuerwehr St. Goar (Kaub), unserer Versicherung und ihrem Experten vor Ort, der Besatzung der St. Goar (WSA) und dem Schlepper Rheinland.  Tausend Dank Euch allen !!! Ohne Euch wäre unsere Reise vielleicht schon vorbei gewesen.

 

 

 

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blau-weiss-rot? rot-weiss-blau?? Und in welche Richtung???

Heute morgen war ich recht traurig weil wir meine Mutter nach 3 arg schönen Tagen wieder von Bord gehen lassen mussten. Aber der Käptn lässt mir nie viel Zeit zum Nachdenken, und es ging gleich weiter Richtung Frankreich.

Vorher ist die Mosel aber noch Grenzfluss zwischen Deutschland und Luxemburg, also muss eine Luxemburg Flagge an den Mast.... haben wir eine Luxemburg Flagge??

Wie immer wenn wir irgendwas brauchen schauen wir erstmal was Bernd und Elke uns an Bord gelassen haben und finden natürlich eine passende Flagge (danke ihr beiden für diese umfassende "Grundausstattung"!). Dann kommen Zweifel: is das wirklich Luxemburg? Oder Frankreich? Oder Holland?

Wer uns zuerst schreibt wie die drei Länder die Farben jeweils anordnen gewinnt...die erste Postkarte von uns! Aber nicht googlen, das is unfair!!

 

Kurz drauf finde ich dann auch noch eine französiche Flagge (ich hätte die luxemburgische ja einfach ein bißchen andersrum aufgehängt, aber Michel hat Sorgen den französischen Nationalstolz rauszufordern) und wir fahren weiter Richtung "Dreiländereck".

 

Abends dann das erste Bier auf französisch bestellt und sogar die Zahlen sind mir schnell genug wieder eingefallen dass ich Trinkgeld geben konnte, bin ganz stolz:-)

 

Liebste Grüße,

Sonja

 

 

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Die ersten Etappen

Die ersten Etappen bis Frankfurt (05.05. - 09.05.2016).

Ca. 230 Flusskilometer und 19 Schleusen standen bis Frankfurt auf dem Plan und wir wurden von bestem Wetter und bestem Barrista Philipp begleitet. Die Stationen Lohr, Stadtprozelten, Aschaffenburg, Hanau (Ankerbucht) und schliesslich Frankfurt lagen auf dem Weg und wer genau hinsieht, entdeckt gleich mal einen Fehler (Seemannschaft) auf dem zweiten Bild.

Aber es war ein wunderbarer Auftakt mit viel Sonne, viel Gschmarre und viel Gelächter - so kanns weitergehen :D !

 

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Special : der Geräteträger

Schon länger gab´s den Wunsch Pantera mit einem Geräteträger auszustatten.

Die Vorteile waren für uns zunächst, dass wir Solarpaneele anbringen könnten dann war klar, dass wir fast alle Geräte auf Deck dort angebracht werden. Jedoch wurde die Zeit immer knapper und es wäre wohl immer ein Wunsch geblieben ohne Stevan, seines Zeichens Schweißer-Legende, und die dazugehörige Firma Contime.

Völlig komromisslos wurde drei Tage bis zur Abfahrt das Projekt durchgezogen und entgegen vieler Widrigkeiten wie Wind, Wetter und Wellengang entstand ein handwerkliches Meisterwerk.

Der Geräteträger versorgt uns jetzt mit Strom Strom Strom (echt ordentlich, Danke Roman !), GPS, Winddaten, Radio, dient als Lastenaufzug für z.b. den Aussenborder und als Soundträger (Danke Häns !). Wer weiß was da noch alles dazu kommt ... aber Fakt ist :

VIELEN DANK STEVAN und VIELEN DANK CONTIME !!!

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Final Countdown

Am 01. Mai sind wir mit Sack und Pack nach Würzburg umgesiedelt, und zwar mit Pantera und unserem neuen Hausstand. Ursprünglich vermuteten wir ruhigere Tage in Würzburg zu haben, jetzt nachdem die Wohnung weg war und wir "nur" noch Bootslisten abarbeiten mussten...aber weit gefehlt. Was folgte auf den Umzug war ein festivalähnlicher Zustand, geprägt von zu wenig und schlechtem Schlaf, völlig konfuser Ernährung und derartig vielen Eindrücken, dass es einige Zeit nachhallen wird um alles zu verarbeiten.

Die Tage waren geprägt von völliger Frustration und Erschöpfung, aber auch von Euphorie und vor allem : Dankbarkeit.

 

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Zurück nei´s Wasser, das Video

Für Frankenfans und Kranfreaks, die Kranerei in der extended Version

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the Blood, the Sweat, the Tears

Die Nerven : sorgfältig frei gelegt, der Schlaf: mies aber dafür immer weniger, die Zweifel: erfolgreich durch die Decke gewachsen.

Werden wir rechtzeitig mit den größten Baustellen fertig, bevor Pantera wieder ins Wasser gekrant wird ?

Bis kurz vor der Kranerei war da alles nicht ganz klar, vor allem der Anstrich hat aufgrund diverser Regenzeiten bis zum Vorabend für Spannung gesorgt.

Werden alle entscheidenden Teile wieder dicht sein, so wie vorher ? Auspuff, Ruder und vor allem die Stopfbuchse ?

Kurz gesagt : Nein .

Die Stopfbuchse hat kurz nach der Wasserung munter vor sich hin geströmt und zwar unerwünschtes Mainwasser in Panteras dicken Schiffsbauch.

Schreckminuten später war der Wassereinbruch unter Kontrolle und der Salon verwüstet (auf der Suche nach der Ratsche und Kronenmutterschlüssel), der Kapitän hatte einige Lebensjahre verloren und graue Haare gewonnen , aber :

Jetzt ist alles gut und unser Boot liegt ruhig und ungefährdet wieder im Eibelstädter Hafen.

 

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Antifouling...eins,zwei,drei

Und so ziehen die Wochenenden dahin...eins ums andere wird der Vorbereitung gewidmet. Eines der erfolgreichsten war dabei das Osterwochenende. Dabei haben wir Dank zahlreicher Helfer und lieben Menschen, die uns mit Essen und Kaffee versorgen, das kleine Wunder geschafft ,drei volle Anstriche mit Antifouling aufzubringen !

Vielen vielen Dank an Alle und seht selbst :

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Unterwasserschiff und Vorbereitung

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Außenborder : läuft

Nach anfänglicher Skepsis und nunmehr komplett gereinigtem Vergaser, knattert er munter im Regenbecken. Der 4 PS Yamaha Außenborder ist auf jeden Fall bereit - vielen Dank Thomas !

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Neue Küche für la Pantera

 

 

Die Küchenzeile erstrahlt im wahrsten Sinne im neuen Glanz. Andy und Sonja haben da auf kleinstem Raum was wirklich aussergewöhnliches im Bootswesen vollbracht : eine geflieste Arbeitsfläche !

 

Auch wenn dabei bei mehreren Sessions häufig mal 2 Stunden Wartezeit einkalkuliert werden mussten, bis die Innentemperatur oberhalb der Minusgrade war, es hatt sich definitiv gelohnt !

 

Ausserhalb der Küche waren wir auch nicht untätig, in der folgenden Galerie sieht man uns beim Schleifen, Winschen fetten, Sorgleinen verlegen...and on and on and on it goes.

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Neue Bilder von der Ankunft in Würzburg

Vielen Dank an Kathi und Manu, die stundenlang ausgeharrt haben, um diese genialen Bilder von unsrer Ankunft zu machen !

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Überraschung im Winterlager

Gerade noch vertieft in diverse Vorbereitungen für die Einwinterung, da bekommen wir Besuch von unserem guten Freund Tobi (aka Walli), und der bringt noch dazu ein wahnsinniges Geschenk mit.

Im ersten Moment war noch nicht ganz klar, wo dieses edel einlackierte Stück Massivholz hinkommen soll, doch dann hatten wir beide den selben Gedanken :

Der Cockpittisch !!!

 

Und dahin soll er mal angebracht werden können (siehe Bild), der unfassbar coole Pantera-Tisch.

Vielen vielen Dank Walli, mehr geht einfach nicht.

 

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Pantera kommt an Land

Adrenalin pur die ganze Aktion...vor allem nachdem wir selbst die Gurte angebracht haben. Zu 100% ein Fehler von uns und wieder mal einer, der gut ausgegangen ist und uns garantiert nie mehr passiert.

Trotzdem: alles gut gegangen !

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Überführungsfahrt oder auch "Bergfahrt non-stop"

Was ein Törn !

15 Tage, 720 Flusskilometer, 26 Schleusen, 5 Crews mit insgesamt 9 Crewmitgliedern - und eine Anzeige 1 km vor dem Ziel, das ist die Bilanz der Überführungstour. Dabei hatten wir wahnsinnig Glück mit dem Wetter, mit nur einem Regentag, und wahnsinnig Glück mit drastischem Niedrigwasser im Rhein. Das ermöglichte uns das berühmte Binger Loch bei strahlendem Sonnenschein mit streckenweise 0,9 kn (1,6km/h) zu durchfahren, aber sei´s drum - wir haben es geschafft ! Und das haben wir unserem feinen Schiffchen und den hervorragenden Crews mit exzellenter Moral zu verdanken.

Die Ankunft und Feier im Zielhafen Eibelstadt konnte nicht einmal der überaus übereifrige Schleuser in Würzburg dämpfen, der uns dann kurz vor dem Ziel noch ein Anzeige wegen "Falschparken" verpasst hat. Es  bleibt abzuwarten ob die Anzeige von den zuständigen Behörden weiter verfolgt oder eingestellt wird...man darf gespannt sein. Egal, wir sind in der Heimat!

Cheers Cheers

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Jungfernfahrt

Regelmäßiges Schreiben auf dem Blog, ja das kommt auch noch auf die Liste.

Die Liste der Dinge, die wir noch verbessern müssen oder wo wir einfach Erfahrung brauchen. Diese Liste ist schon verdammt lang, aber sie hat auch einige Dinge in puncto Erfahrung verloren.

Dass es eine Jungfernfahrt in sich haben würde, war uns klar...aber, dass jeder einzelne Tag neue "Projekte" mit sich bringen würde dagegen nicht. Projekte präsentieren sich an Bord ohne Schnörkel und unmittelbar.

Von der ersten Schleuse (überhaupt) mit dem ersten Frachtschiff direkt vor uns, über das erste Wasser in der Bilge und dem ersten Zwangsstopp um notwendige Reparaturen an Bilgepumpe und Stopfbuchse vorzunehmen, bis hin zum ersten Mal auf Grund laufen (und dem zweiten und dritten).

Jede Situation für sich sehr war spannend und nervenaufreibend, aber im Nachklang meist umso witziger .

Das erste Mal den Mast stellen ohne unseren Supervisor Bernd und dann noch mit einer sehr hilfsbereiten Truppe Herren gesetzten Alters und fast ausschliesslich auf holländisch(!). Das erste Mal im Masttop mit dem Bootsmannsstuhl und einer starken Crew, weil ein Backstag sich beim Stellen verhakt hatte. Die ersten Verluste seitens der Bordelektrik, nachdem der aktive Spannungswandler an Landstrom angeschlossen wurde. Der erste beinahe-Sturm auf dem Ijsselmeer (7 bft) mit dem ersten Wetterbericht, auf den man sich eben nicht zu 100% verlassen sollte. Das erste Mal dreimal durchnässt bei einer Überfahrt...und und und.

Dafür aber auch die unzähligen Male Freude über exzellentes Essen aus der Kombüse, stets freundliche Hafenmeester und das Gefühl in einen Hafen einzulaufen und zu wissen, dass man gleich den Ofen anschmeissen kann.

Ich freu mich auf die Überführung nach Würzburg.


Es bleibt spannend !


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„Sommer“-Urlaub am Ijsselmeer??      <Sonja>

Gestern haben wir den nördlichsten Punkt unserer ersten gemeinsamenReise erreicht, Den Oever. Dort trennt ein riesiger Damm das Ijsselmeer von der Nordsee und schützt so die Niederländer vorm Weggespült werden (irgendwann muss ich mal versuchen herauszufinden wie man einen Damm mitten ins Meer baut…)

Dort oben war es windig wie erwartet und entsprechend kalt. Leider hat sich nach einigen schönen Tag auch noch die Sonne hinter Wolken verkrochen, alles in allem also ein Wetter wie man es so nahe an der Nordsee erwarten würde.

Was dann aber heute über uns durchgezogen ist hatten wir nicht erwartet. Zwar war gut Wind vorhergesagt, bekommen haben wir aber fast doppelt so viel (Böen bis 29 Knoten) und dazu Dauerregen und fette Wellen von hinten.

Die erste hat unser fürs Mittagessen vorgekochtes Risotto vom Herd gefegt und Reis, Karotten und Pilze  in alle Ritzen des Salons verteilt. Beim Versuch das Vorsegel wieder etwas einzuholen haben sich die Leinen derart verdreht, dass nichts mehr vor und zurück ging. Also vor in den Bugkorb und alles entwirren während die dicke Pantera sich entsprechend (oder auch mal gegen) Michel`s Vorgabe durch die Wellen pflügt und mir immer wieder schwallweise Wasser in die Klamotten schaufelt und das Vorsegel mir um die Ohren wedelt.

Als wir es endlich gebändigt haben sehen wir, dass sich das ganze Ding irgendwie um sich selbst gedreht hat. Egal, jetzt erst mal das Großsegel runter, damit wir nichtmehr so hin und her gedrückt werden, was mich zusehends grünlich anlaufen lässt….

Und so  geht es weiter, stundenlang im Regen. Als ich dann noch im allgemeinen Gerenne aus Versehen Klopapier ins Klo geworfen hab (ich erkläre Euch daheim die Besonderheiten einer Bordtoilette...), müssen wir doch wieder lachen und beschließen die heutige Reise vorzeitig abzubrechen und schon in Broekerhaven einzulaufen. Und da werden wir, wie eigentlich bisher immer, auch wieder reichlich belohnt. Ein winziger, sehr gemütlicher Hafen mit 2 lieben älteren Herren erwartet uns, wir werfen den Ofen an und trocknen uns und unsere Ausrüstung, kratzen den Reis vom Boden und essen was aus Versehen im Topf geblieben ist. Und schon ist die Pantera wieder vom Schwerwetter-Kahn zu unserer gemütliche Wohnung auf dem Wasser geworden und das erste Bierchen wird aus dem Kühlschrank gezaubert.

Ich hasse Segeln manchmal, aber wenn`s schon sein muss dann mit diesem Boot und diesem Kapitän

 

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Abfahrt Richtung Ijsselmeer

Geplante Abfahrt war um 10 Uhr. Tatsächliche Abfart war dann um 13.00 Uhr.

Aber wie es halt so ist, fallen einm ständig mehr Dinge ein, die noch erledigt werden müssen oder die man gerne an Bord dabei hätte...und dann noch die Nervosität und ob man an alles gedacht hat und was ist mit dem Wetter und haben wir genug Bargeld und haben wir genug Benzin und haben wir genug Bier...eben ein wirres Gedankenmeer bevor es losgeht in ein "richtiges" Meer.

Zumindest vom Namen her kann sich das Ijsselmeer als eben solches bezeichnen lassen und meinen Erinnerungen nach ist es auch fast so schön wie ein echtes Meer. Binnenmeer hin oder her.

Kaum dass wir 15 Minuten aus dem Hafen waren, da kam auch unsere allererste Schleuse - die Roermond Sluis.

Mangels Marifon (Hollandfunk - dazu später mehr) sind wir auf visuellen Kontakt mit den Schleusern angewiesen. Mangels Wissen hat Sonja mal entspannt einen knappen Kilometer bis zur Schleuse und zurück zurückgelegt bevor uns aufgefallen ist, dass es eine Gegensprechanlage direkt am Voranleger gibt.

Als Schmakerl haben wir natürlich die allererste Schleuse auch mit einem großen Tanker verbracht.

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Erstes Mastlegen

Erstes Mal den Mast legen, zum Glück mit Bernd und Elke!

Aus den geplanten zwei bis drei Stunden wurden fünf und am Ende waren es die beiden Veteranen, die immer noch gelassen dreinblickten, während wir erschöpft aber froh den Abend mit DackelKorn beendeten.


Vielen Dank sei noch gesagt an unsre lieben Nachbarn am Steg, Hans-Jörg und Rüdiger aus Köln, die uns in größter Not mit Kaffee und Obstsalat versorgten.

Ausserdem gilt der Dank den famosen Kollegen (und Freunden) aus der pharmazeutischen Biologie, die uns die exzellenten Schnapsgläser samt Dackelschnaps geschenkt hatten !

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